Wirtschaften

Wirtschaften

von Gotz Kleine

Weite Teile der Gesellschaft sind heute mit Wirtschaft und Staat unzufrieden. Trotz aller Beteuerungen der Politik und der Medien glauben sie nicht so recht, daß Markt, Rentenkürzung, Nullzinspolitik, Kriegseinsätzen, Umweltschutz, Hartz IV und viele weitere Punkte naturgegeben sind.

Wenn man aber Menschen darauf anspricht und versucht, die Mechanismen des Wirtschaftens etwas zu lüften, wenden sie sich mit Schaudern ab: „Davon verstehe ich nichts und will auch nichts wissen.“

Dieses kurze Papier versucht das Thema Wirtschaften unkompliziert darzustellen und vielleicht die eine oder Anregung für weitere eigene Erkundungen zu liefern. Es ist in Abschnitte untergliedert, die das jeweilige Thema umreißen. Dabei sind sowohl die Unterteilung subjektiv wie auch die Zuordnung des einen oder anderen Punktes zu diesem oder jenen Teil. Wegen des gegebenen Überlappens der Themen ist das mehrfache Ansprechen von Teilpunkten unvermeidbar. Die Auseinandersetzungen um die Verteilung von Gütern sind seit Anbeginn der Menschheit immer im Vordergrund. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche um das Thema Wirtschaften, Geld, Politik und soziales.

Geschicke der Menschen

Seit der Geburt des ersten Menschenkindes bestimmen Arbeitsteilung der Eltern, Wirtschaften, Verteilung von Gütern, technischem Fortschritt, Naturkatastrophen, Kriegen, Mißgunst, Gier, Macht und Erkundung neuer Gebiete die Geschicke der Menschheit. Das war immer spannend, aufregend, erfolgreich, erfolglos sowie mit Freud und Leid verbunden. Angefangen vom Erkunden der näheren Umgebung über das Queren unwegsamen Terrains, das Erkennen der Unbilden der Natur und natürlichen Feinde über den Auf- und Ausbau von Handelswegen bis zum Heranwachsen von Kulturen begleitete das Thema der Wirtschaft die Menschen. Nicht zu vergessen sind dabei neben Naturkatastrophen auch die unschönen Auseinandersetzungen mit Kriegen sowie den damit einhergehenden Unterwerfungen und dem jeweiligen unsäglichen Leid.

Grenzen und Begrenzung

Grenzen und Begrenzungen waren für Abenteurer, Eroberer und Machtmenschen immer eine Herausforderung, egal ob als Einzelmensch oder in einer Gruppe. Im Zuge der Zeit änderten sich die technischen Möglichkeiten, nicht aber die Idee des Erkundens und Beherrschens. Die Phönizier nutzten die Technik des Schiffsbaus und wagten sich über die Meere. Ihre Erkundungen waren nicht l’art pour l’art allein. Handel mit Sklaven, seltenen Produkten, Unterwerfung von Unwissenden und das Gefühl der Überlegenheit fügten sich zu dem zusammen, was man heute Globalisierung und Neoliberalismus mit den freien Märkten für die Starken nennt.

Zyklen bestimmen

Alle diese Themen sind in kleinen Gesellschaften ebenso präsent wie in der globalisierten Welt heute. Zyklen bestimmen das auf und ab. Die sieben fetten und sieben mageren Jahre sind seit langem bekannt. Sonnenflecken, Klimaänderungen, Propaganda (Voodoo?) und natürlich Kriege beeinflussen den Lauf der Wirtschaft. Seit Einführung von Münzen, Zins und Zinseszins ist das Finanzwesen treuer, treibender, aber manchmal auch irritierender Begleiter. Ohne das Finanzwesen wären der rasante Ausbau der Eisenbahnen durch Vergabe von Krediten im 19. Jahrhundert nicht möglich gewesen. Ebenso wäre die schnelle Ausbreitung des Automobils in den USA in den 1920ern nicht erfolgt. Das Finanzwesen kaufte damals gezielt die städtischen Bahngesellschaften, blutete sie aus und machte so den Weg frei für das individuelle Fortbewegungsmittel Auto. Ohne die Ungleichgewichte nach dem ersten Weltkrieg und das ungehemmte Finanzwesen wäre das Jahr 1929 mit seiner Weltwirtschaftskrise anders verlaufen.

Entstehung der Krisen

Abgesehen von Naturereignissen oder Kriegen (die wiederum durch eine Finanzkrise hervorgerufen werden) entstehen die meisten Wirtschaftskrisen durch das Ungleichgewicht zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft. Die Finanzwirtschaft übernimmt die Kontrolle über die Realwirtschaft und erzeugt Druck. Staaten stehen diesem Druck machtlos gegenüber, sind gar Treiber oder auch lachende Dritte. Irgendwann geht jedoch jede Krise vorbei, es geht mit der Wirtschaft wieder aufwärts, der Staat schöpft neues Geld und somit Kredite, man glaubt an die neue Währung und werkelt bis zur nächsten Krise im immer gleichen staatlich gebildeten Schneeballsystem bis zum nächsten Überhandnehmen der Finanzwirtschaft. Das Schneeballsystem entwickelt dann eine Eigendynamik, die weder durchschaubar noch kontrollierbar ist. In der sich dann immer schneller und höher windenden Spirale verwischen sich die Grenzen zwischen den Akteuren aus Real- und Finanzwirtschaft. Die Politik ist dann vielfach gelähmt und nimmt die Rolle des unbeteiligten Zusehers ein.

Nach einer Krise entpuppen sich Staaten und Grundbesitzer als Gewinner. Sie sind Ihre Schulden auf einen Schlag los. Durch die Oktoberrevolution fiel das Eigentum an Grund und Boden von einigen wenigen Besitzern an einen einzigen Eigner, nämlich den Staat. Die vom deutschen Staat 1922 initiierte Hyperinflation befreite ihn von den Lasten der Kriegsanleihen aus dem 1. Weltkrieg. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in Deutschland Schulden mit 10 zu 1 abgewertet, Sparguthaben sogar mit 1 zu 0,65. Gut für den, der Grund und Boden auch ohne Häuser oder mit Ruinen behalten konnte, schlecht für die Vertriebenen, die ihren Boden zurücklassen mußten.

Globalisierung

Globalisierung gibt es seit Menschengedenken und sie beruht stets auf dem Willen eines dynamischen Teils der Bevölkerung. Dieser Teil schafft es mit Geld und Zinsen Kapital anzuhäufen und dieses geschickt und vor allem auch zum eigenen Wohle ohne Rücksicht auf Andere einzusetzen. In Verbindung mit den jeweiligen technischen Möglichkeiten wird dann Globalisierung, Expansion betrieben und das soziale Gefüge, oft mit Hilfe der Gesetzgebung, durch die Mächtigen stark strapaziert. Diese Globalisierung findet aber immer ein Ende, das eine Mal eher blutig und das andere Mal eher unblutig. Beispiele hierzu sind die unblutigen josephinischen Reformen in der österreichischen Monarchie oder die blutig verlaufene französische Revolution. Der Bayerische Kurfürst war auch ganz klug und stiftete aus Angst vor einer Revolution 1789 dem Volk den Englischen Garten in München. Die Globalisierung des Niltals seit 4.000 v. C. fand wegen der Schwierigkeiten bei der Überwindung der Wüsten und Meere ein Ende. Die Expansion setzte sich dann im Inneren fort. Gottgleiche Pharaonen und die geschaffenen Pyramiden bezeugen das beeindruckend. In den USA hat der Pazifik dem Westward Movement für Siedler und Pferdefuhrwerke ein Ende gesetzt. Das hielt die USA aber nicht davon, ihre Dynamik in eine bis heute andauernde Expansion umzusetzen. Zunächst setzte man sie im eigenen Land mit einer gewaltigen wirtschaftlichen Expansion um und mit dem Kriegseintritt 1917 bekam sie eine internationale Dimension.

Verwerfungen

Zu Krisen und Kriegen führende wirtschaftliche Verwerfungen entstehen früher oder später in allen Formen der Gemeinwesen. Die Ausgewogenheit zwischen den Vertretern der einzelnen Gruppen geht dabei verloren und die eine oder andere obsiegt. Vor der Aufklärung waren dies im wesentlichen Staat und Wirtschaft, gleichgültig ob getrennt wie in Rom oder in Personalunion im Absolutismus. Aufklärung und Schulpflicht brachten dann ein Nachdenken über die Fehlbarkeit der Oberen. So entstand eine Mittelschicht, die uns die gewaltige technische Entwicklung brachte, sich aber auch vehement um soziale Belange der armen Bevölkerung kümmerte.

Die neuen Facetten der Finanzwirtschaft

Zur Zeit erleben wir wieder ein ständig wachsendes Ungleichgewicht zwischen Realwirtschaft und völlig neuen Facetten der Finanzwirtschaft. Mit dem Verschwinden der Mittelschicht gehen in der Gesellschaft Fähigkeiten wie Kritik, Forschung oder Bildung verloren. Die soziale Ausgewogenheit bekommt Risse mit nicht absehbaren Folgen für Staat und Gesellschaft. Nachstehend werden kurz einige Themen angesprochen von der Symbiose Staat und Wirtschaft über Wirtschaftskrisen bis 1900 und ab 1900, die Entstehung der Globalisierung und der heutigen Finanzwirtschaft, die Geschichte des Geldes und das Geld heute. Ein Register schließt diese Abhandlung ab.

Staat und Wirtschaft

In vielen Ausprägungen und mit ständig wechselnden Verhältnissen bilden Staat und Wirtschaft eine unteilbare Einheit. Gemeinwesen, Reiche, Staaten und Staatenverbünde formten und formen sich zum Überleben, zur Verteidigung, zum Angriff, zur Verfolgung von Ideen oder auch unter dem Mantel der Religion. Ein Dorf im Amazonasgebiet hat dabei prinzipiell dieselben Aufgaben zu bewältigen wie ein Staatengebilde etwa in Form der EU. Bei Meinungsverschiedenheiten bekämpft man sich oder setzt einen Häuptling ein, der die Geschicke des Gemeinwesens bestimmt und dessen Anweisungen von den Mitgliedern befolgt werden. Viele Faktoren bestimmen dabei die demokratisch oder autokratisch dieser Gemeinde. Unter anderen beeinflussen Traditionen, Umwelteinflüsse, Nachbarn, Naturkatastrophen oder Feinde das Verhalten. Man findet alle Formen von Wohlwollen und Förderung der Mitglieder des Gemeinwesens bis Ausbeutung, Versklavung, Mobbing und Unterdrückung.

Soziale Marktwirtschaft

Die soziale Marktwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg mit ihren sozialen Ausprägungen war dabei nicht unbedingt eine Form des Wohlwollens der Herrschenden, sondern man hatte auch Angst vor dem Kommunismus. Niemand wußte, daß damals ein bis dahin nicht bekannter weltweiter Aufschwung begann, der in Deutschland unter dem Namen Wirtschaftswunder bekannt ist. Wenn das Wachstum dann wie in diesem Fall zu Beginn der 1970er aufhört, beginnen schwierige Verteilkämpfe oder es gewinnt eine Seite. Ab diesem Zeitpunkt haben in den entwickelten Ländern die Mächtigen zunächst schleichend und dann immer schneller das Heft in die Hand genommen. Austeritätspolitik, Vernichtung von Arbeitsplätzen, Privatisierung von sozialen Einrichtungen und Infrastruktur, Schwächung der Wissenschaften, Kürzung der Renten, Hartz IV und die Beseitigung der Aufklärung durch Indoktrination nehmen immer mehr zu.

Wirtschaften im Amazonasgebiet

Wirtschaften entsteht in einem Staat auch aus verschiedensten Gegebenheiten. Beispielsweise vermehrt sich die Bevölkerung im Dorf am Amazonas, der Bedarf an Eiweiß wächst und Fisch ist die bequemste Form, der erhöhten Nachfrage zu begegnen. Man beschließt den Bau eines größeren Bootes und kurbelt damit gleichzeitig die Werktätigkeit (Wirtschaft) an. Das Boot baut nicht der Häuptling. Die Gemeinde beschließt eine Investition und man macht einen Plan. Wie werden aber die Ressourcen für diese Investition bereitgestellt. Leisten die Mitglieder der Gemeinde Frondienste zum Wohle des Häuptlings oder entwickelt die Dorfgemeinschaft den Willen und man einigt sich im Team bzw. unter dem Projektleiter, den Baum zu fällen, ihn für das Boot vorzubereiten, ihn auszuhöhlen, das fertige Boot vom Stapel zu lassen, die erforderlichen Schwimmtests durchzuführen bis hin zur erfolgreichen Abnahmekontrolle durch den Häuptling selbst oder einen Beauftragten. So arbeiten Staat, Untertanen (Mitglieder) und Wirtschaft mehr oder weniger immer Hand in Hand.

Wenn das auch romantisch klingen mag und man aufgrund von netten Reportagen meinen könnte, daß diese Gemeinschaft in derselben Form seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden zusammenlebt, so irrt man. Die Menschen sind nicht vom Himmel gefallen, sondern an ihren Ort durch Fortbewegung auf dem Amazonas gelangt, haben sich niedergelassen und eine Gemeinschaft gebildet. Diese hatte in beschränktem friedlichen und kriegerischen Umfang Kontakt mit anderen Menschen in dem weit verästelten Amazonasgebiet. Dieser brachte den einen oder anderen technischen Fortschritt und verhinderte auch das Aussterben der Gemeinde durch Inzucht.

Entwicklung

Ebenso wird seit damals in allen Gemeinwesen verfahren. Die natürlichen Bedingungen waren vielfach anders, als am Amazonas. So benötigten die Pfahlbauern Brennholz, um den Winter überleben zu können und in der Nacht abnehmbare Planken zum Ufer schützten sie vor wilden Tieren. An einem See entstand eine Siedlung, man einigte sich, sprach die Jagd ab, führte weitere Arbeitsteilungen ein und lebte bis zum Eintreten von Ereignissen friedlich oder zumindest gewaltfrei zusammen. Ereignisse waren Naturkatastrophen in Form von Mißernten, Bergrutsche, Überfälle von anderen Sippen oder wilden Tieren und all die anderen bekannten Ereignisse der Menschheitsgeschichte.

Konflikte

Das Zusammenleben gestaltete sich beileibe nicht immer harmonisch. Sobald aufgrund der Organisation eines Gemeinwesens in Verbindung mit technischem Fortschritt, sei es das Boot auf dem Amazonas oder die Fischreuse bei den Pfahlbauern, das Überleben mit geringerem Aufwand das Überleben vereinfacht wurde, setzten Potential für Grübeleien, Wohlleben, technischen Fortschritt und Müßiggang ein und verleiteten einige Mitglieder, über Neid, Auswanderung, Mißgunst oder Macht nachzudenken und das dann auch in die Tat umzusetzen. So entstanden und entstehen aus dem Drang zu Ordnung und Frieden in einem wachsenden Gemeinwesen unterschiedliche Staatsformen.

Überbordende Organisation

Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, wie viele Staatswesen durch überbordende Organisation enden. Der Fall des krisengeschüttelten alten Roms ist schließlich infolge einiger relativ kleiner von außen wirkenden Umständen im Norden Italiens eingetreten. Über den genauen Anlaß sind sich die Historiker noch uneins. Beim Fall des gleichfalls überorganisierten Weltreichs der Azteken hat das Erscheinen von20 schwindsüchtigen „Eroberern“ unter Hernando Cortez den Untergang über Nacht herbeigeführt.

Zeiten des Wachstums, Wohlstands, Friedens, Unruhen, Kriegen, Eroberungen, Sprachbildungen, Abgrenzungen, Religionen, Ideologien und so fort wechseln sich ab. Vor allem aber bestimmt das Zusammenleben zwischen Häuptling und Mitgliedern, zwischen Fürst und Untertanen und heute in der Demokratie zwischen den Eliten aus Finanz + Wirtschaft, den Repräsentanten des Staates und dem Volk die Geschicke.

Die eigentliche Existenzberechtigung des Staates liegt darin, eine feste und zugleich tolerante Klammer für das Zusammenleben aller Menschen zu bilden. Er kümmert sich um geordnete Infrastruktur, funktionierendes Gesundheitswesen, gute Bildung, soziale Belange, Umverteilung und auch um Verteidigung. Das ist weder neu, noch überholt. Allerdings rostet diese Klammer manches Mal und es folgen Verwerfungen, vor denen die Politik gerne die Augen zudrückt.

Wirtschaftskrisen vor 1900

Um das Jahr 600 vor Christus war das attische Gemeinwesen um Athen in eine schwere Krise geraten. Die Einführung von Münzgeld in Verbindung mit Verzinsung und dem Import von billigen Waren inklusive Getreide aus Kleinasien führte zu einer Überschuldung der ehemals freien Bauern und letzten Endes zu ihrer Versklavung auf den Gütern der Aristokraten oder sie wurden ins Ausland verkauft. Die Situation war so angespannt, daß Solon mit seinen Vorschlägen einer Demokratie Gehör fand. Die Schuldknechtschaft der Bauern wurde abgeschafft, Schulden wurden erlassen und eine Verfassung eingeführt.

Über einige Jahrhunderte meisterte Rom derartige Krisen für sein eigenes Kerngebiet durch eine beispiellose Ausdehnung in Form von Eroberungen, Beute und Tributen. Solange der Zuwachs an Provinzen und damit verbundene gute Tribute Rom selbst reich machten, konnte man auch den Veteranen ein Lehen in fremden Provinzen verleihen. So entstand beispielsweise Rumänien. Jeder, bis auf die Besetzten war zufrieden und die Finanzkrisen wurden durch Abwertung der Sesterze sowie neue Kriegen gemeistert. Letzen Endes führte das stetig zunehmende Auseinanderklaffen von Realwirtschaft und Finanzwirtschaft im Kernland Rom, die überbordende Bürokratie und der schwindende Glaube in die Unfehlbarkeit des Systems sowie Unabhängigkeitsbestrebungen der Provinzen zu Problemen und schließlich zum Ende des römischen Reiches.

Finanzkrise in Rom

Geld war dabei wie immer im Spiel. Die gewaltige Finanzkrise in Rom im ersten vorchristlichen Jahrhundert entstand durch Eroberung von Teilen Kleinasiens in Verbindung mit bedeutende Goldfunden und Goldraub. Dies verursachte eine gewaltige Anlageinflation (Asset Inflation). Es galt als vornehm, Schulden zu machen und das Gebiet um Rom war auf dem Weg zu einer reinen Dienstleistungs- und Verwaltungsgesellschaft ohne jegliche Produktion von Gütern. Geld hatte für die Gewinner keinen eigentlichen Wert mehr und somit konnte man Wohnungen (Paläste), Firmenanteile und andere Anlagen zu überhöhten Preisen erwerben. Die Sanierung von Teilen Roms für den Bau großer Paläste war schon damals ein Thema für soziale Diskussionen. Die Realwirtschaft war für die Finanzwirtschaft nicht mehr von Interesse.

Finanzwirtschaft und Realwirtschaft kamen aus dem Gleichklang. Rom löste auch diese große Krise durch das bewährte und beherrschbare Kriegshandwerk. Die Bronze in der Sesterze (Silber war schon lange passé) ersetzte man durch unedlere Metalle, warf die Rüstungsproduktion an und Cäsar eroberte Gallien. Rom bekam neue Tribute. Es hatte sich in unserem Jargon neue Märkte erschlossen. Es lebe die Expansion und der freie Markt.

Aus Ungehorsam entsteht Wein

Es lief aber auch im Riesenreich nicht alles rund. Ein hübsches Beispiel des Ungehorsams gegenüber Rom ist die Entstehung der bis heute andauernden Erfolgsgeschichte des französischen Weins. Die Gallier waren verpflichtet, Wein aus Spanien in spanischen Amphoren zu kaufen. Dieser Handel war tributpflichtig und am Finanzplatz Rom freute man sich ebenso wie heute an der Wall Street über Spekulationsgewinne oder Rohstoffausbeute in fernen Ländern. Schließlich aber bauten die Gallier selbst Wein an und bezogen nur noch leere Amphoren aus Spanien; gefälschter Wein! Nachdem die Qualität des gallischen dem des spanischen Weins angeglichen war, haben die Gallier auch noch die Amphoren selbst hergestellt und eigenen Wein aus eigenen Amphoren getrunken. Ob das Miraculix war? Jedenfalls hat Rom Tribute verloren. Seine Pfründe konnten in diesem und anderen Fällen nicht mehr verteidigt werden.

Der Gesamteuropäische Niedergang

Nach der Entdeckung Amerikas war Europa in einen 40-jährigen, kräftezehrenden Kampf mit dem Osmanischen Reich und innerhalb Europas auch noch in die Auseinandersetzungen in Folge von Reformation und Gegenreformation verstrickt. Die Kriege mit den Osmanen begann mit der ersten Türkenbelagerung Wiens 1529 und endete 1571 mit der Seeschlacht bei Lepanto. In der Folge dieser Wirren mit erheblichen Opfern und einhergehend mit dem immensen Raub des Inka- und Aztekengoldes, dem damit verbundenen Niedergang der Fugger sowie dem Aufbruch gut ausgebildeter Handwerker in Richtung Neue Welt kam es nach dem Verlust der spanischen Armada 1588 zu einem gesamteuropäischen Niedergang. Spanien erholte sich davon Jahrhunderte lang nicht.

Neue Machtgebilde enstehen

Durch Gründung der niederländischen Ostindien-Kompanie (1602) und der englischen Ostindien-Kompanie (1615) entstanden neue Machtgebilde, weitestgehend im gesetzesfreien Raum. Nach der Entdeckung Amerikas erlaubten die Weiterentwicklung von Schiffbau und Navigation eine für damalige Zeit regelmäßige und pünktliche Schiffahrt. Handelshäuser und Versicherungen entstanden. Schiffe fuhren im Konvoi wegen der auch von England geförderten Piraterie. Soldateska bevölkerte die Weltmeere und war gegen das Versprechen von Beute überall einsetzbar. Während der Abwesenheit ihrer Männer leiteten Frauen die Handelshäuser mit vielen Angestellten und der Notwendigkeit einen Zeitraum bis zu der erhofften Rückkehr der Männer durch geschickten Verkauf der Ware aus dem vorhergehenden Einkauf zu überbrücken und Geld für den nächsten Beutezug zu erwirtschaften. Auch hier kam es am Ende wegen zu viel Finanz, Geld, Gold und infolge der Spekulationen mit Tulpenzwiebeln in Holland 1637 zu einer schweren Finanzkrise. Der Überfall auf den Smyrna-Konvoi in der Seeschlacht von Lagos 1693 führte mit der Pleite aller bedeutenden Handelshäuser Englands zur Großen Elisabethanischen Inflation.

Die Französische Revolution

In der Französischen Revolution stürzte man die Aristokratie und zog die Kirchengüter ein. Der Staat war zu finanzieren und die Revolutionäre sollten entlohnt werden. Indes war es nicht möglich, die kirchlichen Besitztümer schnell zu Geld zu machen und so führten die Revolutionäre Assignaten zur Ausgabe an Kreditgeber ein. Diese Zuweisungen sollten gegen eingezogenes Kirchenland eintauschbar sein. Der zunächst verbotene Handel mit diesen Anweisungen (Staatsanleihen), die dann einsetzende Spekulation und zusätzlich die von England gefälschten Assignaten führte wiederum zu gewaltiger Inflation und weiterem wirtschaftlichen Niedergang. Nach ersten gescheiterten Versuchen in China, England, Rußland und Österreich wurde somit Papiergeld zum ersten Mal in großem Stil verwendet. Ohne Regulierung führte dieses Experiment zu einer Verstärkung der Finanz- und Wirtschaftskrise. Napoleon hat ihr mit dem bewährten Mittel der Expansion ein Ende setzte.

Die Wirren um Napoleon

Infolge der Wirren um und nach Napoleon begann man, über die Etablierung von Nationalbanken zur Vermeidung weiterer Krisen stärker nachzudenken und auch zu errichten. Sie gingen aus den Fürstenkassen oder im Fall Englands aus der Eroberungsschatulle des Königshauses bereits 1694 als Bank of England hervor. Erforderlich waren diese nationalen Institutionen aber auch wegen des wachsenden Geldbedarfs und des sicheren Geldtransfers über Distanzen hinweg. Erste Erfahrungen hatte man in Italien bereits im 16. und 17. Jahrhundert gesammelt.

Ein unblutiges Jahrhundert

Nach dem Wirbler Napoleon begann ein für Europa relativ unblutiges Jahrhundert. Technischer Fortschritt, Erfolge von Medizin, Förderung der Naturwissenschaften, ausreichende Ernährung, Bekenntnis zur Seife, verbesserte Bildung, Aufhebung der Leibeigenschaft und langsame, zögerliche Einführung demokratischer Strukturen bedienten in Europa alle Beteiligten relativ gut. Die Bevölkerung wuchs, Eisenbahnen durchzogen Europa, man errichtete Abwasserkanäle, die auch heute vielfach noch ausreichen. Die Landflucht wurde durch neue, immer größere Industrien aufgefangen und die Industriebarone bekamen ihre dicken Havannas. Europa erlebte in diesem Jahrhundert auch kleinere und mittlere Finanzkrisen (etwa Lesseps Suez-Pleite, die Gründerkrise 1873 oder verschiedene Eisenbahnkrisen). Wachsende Realwirtschaft in unseren Breiten und fette Beute aus den Kolonien ließen diese Krisen in der westlichen Welt relativ schnell überwinden. Die eingeführten Renten- und Krankenkassen trugen das ihre zu Wachstum und relativem sozialem Frieden bei.

Russland

Rußland war in seinem Riesenreich mit der weiteren Sicherung und Ausbeutung voll auf beschäftigt. Es stand mit seiner wachsenden Seemacht zunehmend in Konkurrenz mit England. Gewaltige Rohstoffe, eine ebenfalls ungeahnte industrielle Entwicklung begleiteten die Strukturreformen, die infolge des verlorenen Krimkrieges von 1853-1856 getätigt wurden. Auch Wirtschaftskrisen waren zu verzeichnen, die aber wiederum durch das Wachstum abgemildert wurden. Letzen Endes hat Rußland damals aber keine Rolle auf der Weltbühne gespielt.

Bürgerkrieg in USA

Die USA führten nach dem abzusehenden Ende des Westward Movement einen Bürgerkrieg. Eisenbahnen erschlossen das Land, Industrialisierung und unkontrollierte wirtschaftlich Exzesse führten zu gewaltigen Krisen, zu mißglückten Regulierungen und der blutigen Kolonialisierung der Philippinen. Das war alles weit weg von uns und die USA nahmen wegen ihrer immensen Schulden nicht so richtig am Geschehen auf der Weltbühne teil. Ihre Handelsflotte war noch zu klein und die Kriegsmarine nicht so mächtig, um gegen Rußland, England und Deutschland in Konkurrenz zu treten. Aber die Finanzwirtschaft entdeckte wieder einmal ihre Macht. Damit der Bau des Panamakanals für die USA erfolgen konnte, finanzierte die Wallstreet Unruhen auf dem heutigen Staatsgebiet Panamas. Der Erfolg dieses Einmischens in fremde Staaten war die Trennung von Kolumbien. Das war ein erfolgreicher Regime Change aus dem Jahre 1903 und erweiterte die Monroe Doktrin aus dem Jahre 1823 bis Feuerland.

Krieg in den Kolonien

Die noch mächtigen Kolonialmächte Frankreich und England führten miteinander Krieg in der Ferne und verdienten gut an ihren Kolonien. Die Bezahlung des chinesischen Tees mit Opium statt mit Silber führte zu den Opiumkriegen und China verlor die Zollhoheit zugunsten Englands und Frankreichs. Auch Deutschland wollte nach Besiegung der Franzosen 1870/71 Kolonien haben und so traf man sich schließlich 1884/1885 zur Berliner Konferenz. Die dort „im Namen des allmächtigen Gottes“ beschlossene Aufteilung hat in der üblichen Manie von Machthabern die Kolonien unter sich aufgeteilt und vielfach Grenzen mit dem Lineal willkürlich durch Stammesgebiete hindurch gezogen. Diese führen auch heute noch zu blutigen Auseinandersetzungen. Nach der Aufteilung der Welt in Interessensphären begann eine beispiellose blutige Eroberung der Kolonien und deren Ausbeutung mit Hilfe von rücksichtslosen Söldnern. Die Realwirtschaft wuchs im Gebiet der westlichen Gemeinschaft, die Finanzwirtschaft folgte und in Europa schien man glücklich dahinzuleben, war mit Wachstum, demokratischen Reformen, Psychologie, Einführung von Sozialsystemen, Jugendstiel, Fin de Siècle und einer immensen Technikgläubigkeit beschäftigt.

Die Ausbeutung

Die Berliner Konferenz schob die Weltwirtschaft nochmals gewaltig an. Es handelte sich um die erste wirklich große Globalisierung. Hunger auf Rohstoffe und Nahrungsmittel (Cash Crops) der Industrienationen trieben diese Entwicklung an. Eine beispiellose Ausbeutung in den Einflußsphären der jeweiligen Kolonien ging einher mit dem Ausbau der bis heute dauernden Verquickung der Ausbeuter mit den lokalen Machtstrukturen. Nach Schätzungen wuchs der Welthandel von 1790 bis 1913 um das 50-fache. Im Gegensatz zu heute war 1913 allerdings nur ein Prozent der Weltbevölkerung positiv oder negativ von dieser Globalisierung betroffen.

Wirtschaftskrisen ab 1900

Ab 1900 geht es global, grausam und erfolgreich zu. Während die Manipulation und Indoktrination der Eliten immer mehr die Fäden im verborgenen webt, wird der Sinn für Aufklärung und Systemdenken immer stärker in den Hintergrund gedrängt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die politische Korrektheit sowie Aufbau von Feindbildern und das Ende der Debattenkultur in der 2. Hälfte der 1980er durch Schlagworte wie Verschwörungstheorie und Querfront.

Wirtschaftskrisen bis 1975

Vor dem 1. Weltkrieg waren auch die USA nicht von Krisen verschont. Phasen des Wachstums, verschiedenen Verwerfungen mit gewaltigen Inflationen wechselten einander ab. Die unternommenen Rettungsaktionen und Regulierungen waren nur kurzfristig erfolgreich. Aus geldpolitischer Sicht war die Great Panic von 1907 mit Aktienverlusten in Höhe von 50%, immenser Arbeitslosigkeit bei gleichzeitiger und langanhaltender hoher Inflation der Startschuß zum Eintreten in eine zunächst nur interne Finanzpolitik. Man unternahm verschiedene regulatorische Versuche und gründete schließlich 1913 die FED (Federal Reserve System s.u.). Sie ist von Anbeginn in privater Hand, wird vom Staat kontrolliert und verfolgt seit ihrem Bestehen ein jährliches Inflationsziel von 2% sowie stetiges Wachstum.

Der 1.Weltkrieg

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs war eine logische Folge der Friedenszeit. Jeder wähnte sich mächtig, die Allianz der drei Vettern aus Rußland, Österreich und Deutschland bröckelte, alle waren kriegsbereit und ohne den Ausbruch des Krieges wäre es wohl auch zu einem gewaltigen Wirtschaftsdesaster gekommen. Nach dem Krieg war die Welt nicht mehr in „Ordnung“ und man tat sich in der alten Welt schwer mit den Änderungen. Die Kolonialmächte verloren wegen ihres skrupellosen Einsatzes von Soldaten als Kanonenfutter und Minenpfadfinder auf den Schlachtfeldern Europas den Respekt in den überseeischen Gebieten. Es kam zu einer bis dahin nicht gekannten Unterdrückung eines Besiegten, nämlich Deutschland. Soziale, ideologische Auseinandersetzungen und verschiedene Krisen prägten das Bild in der westlichen Welt und 1929 begann die bis dahin größte Wirtschaftskrise (Weltwirtschaftskrise, Great Depression). Neben vielen anderen Gründen führte die wieder die Übermacht gewinnende Finanzwelt 1939 zum Ausbruch des 2. Weltkrieges.

USA – Vom Schuldner zum Gläubiger

Umfangreiche Lieferungen von Kriegsmaterial an die Entente und der späte Kriegseintritt 1917 aus Angst vor einem Sieg Deutschlands machten die USA vom weltweit größten Schuldner zum größten Gläubiger und begründeten die Expansion der USA. Rußland war nach der Oktoberrevolution bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs wiederum mit sich selbst beschäftigt, England und Frankreich versuchten die Abspaltungsbemühungen der Kolonien zu verhindern. Deutschland veranstaltete seine Privatinflation, befreite sich somit von den Kriegsanleihen und litt unter überzogenen Reparationsforderungen durch die Entente. Die Reparationen wurden im Jahre 1924 nach der vorhergegangenen Besetzung des Ruhrgebiets durch Franzosen und Belgier im Jahre 1923 im Dawes-Plan überarbeitet.

Der Dawes-Plan sah vor, daß die USA Deutschland ein Darlehen gewähren, hierdurch die deutsche Wirtschaft gestärkt würde und die erwarteten Steuereinnahmen zur Begleichung der Schulden an Frankreich verwendet werden sollten. Gleichzeitig würden dadurch die Franzosen in die Lage versetzt, US-Produkte zu kaufen. Mit diesem Plan erfolgte die bis heute andauernde und immer tiefer werdende Verquickung zwischen deutscher und US- Wirtschaft.

The Great Depression

1929 kam die bekannte Weltwirtschaftskrise (Great Depression) und verhinderte das Nachdenken über der Ausbau des Völkerbunds und ein friedliches Nebeneinander in Europa. Man lebte teilweise in Agonie und in nicht unbegründeter Angst vor dem Kommunismus. Zu Beginn der Krise von 1929 löste der Young-Plan den Dawes-Plan ab. Dieser sah bei Streckung der deutschen Reparationszahlungen bis 1988 u.a. die Aufhebung der Besetzung des Ruhgebiets vor sowie das Ende der Kontrolle von Reichsbahn und Reichsbank. Durch den Young-Plan erfolgte eine weitere Vertiefung der Verzahnung der deutschen mit der US-Wirtschaft. U.a. erfolgte auch der Verkauf von Opel an GM oder die Gründung der Fabrikationsstätten von Coca-Cola in Deutschland. In der chemischen Industrie wurden Patente zwischen den USA und Deutschland getauscht (u.a. Kunstgummi- gegen Raffinations-Patente). Die Pläne von Young and Dawes waren aber nicht als milde Gabe an Europa gedacht, sondern dienten zunächst einmal der Stärkung der US-Wirtschaft.

Die BIZ

Zur Abwicklung der Zahlungen aus dem Young-Plan sowie zur Abwicklung diskreter Geldgeschäfte zwischen den Staaten gründete man die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte und möglichst leise arbeitende BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich). Die BIZ ist eine internationale Institution mit Sitz in Basel. Sie war und ist Treffpunkt für die Gouverneure der Zentralbanken. Tagesordnungen und Sitzungsprotokolle werden nicht veröffentlicht. Ihre Expertise ist unter Bankern hochgeschätzt. Zahlungen über Sie laufen gegen entsprechende Gebühren dezent ab. In den Jahren 1933 bis 1945 hat sie sich nicht mit Ruhm bekleckert und trug wohl auch zur Verlängerung des Krieges bei. Sie untersteht keinerlei staatlichen oder sonstigen Kontrollen oder irgendeiner Gerichtsbarkeit. Die Basel-Abkommen (Basel I bis Basel IV) mit ihren Bankenregulierungen wurden unter ihren Fittichen entwickelt. Sie haben faktisch Gesetzeskraft, weil sich kein Staat so richtig an die Regulierung der Banken wagt.

1933 folgten sowohl die USA mit dem New Deal und Deutschland den keynesianischen Forderungen nach Erhöhung der Staatsausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft. Das war in Deutschland zu Beginn erfolgreicher als in den USA. In den Jahren 1938 und 1939 flaute der gewaltige Aufschwung in Deutschland ab. Es blieben dann nur zwei Möglichkeiten übrig: Neue Krise oder neuer Krieg. England und Frankreich verharrten weiter in ungewohnter Apathie und versuchten die Gewitterwolken mit Appeasement auszusitzen.

Bretton Woods

Das 1944 verabredete und 1946 in Kraft getretene Abkommen von Bretton Woods hat die USA zu dem Aufkäufer der Welt gemacht, ihr hunderte von militärischen Stützpunkten erlaubt und die ausgezehrten Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien zu den großen Verlierern werden lassen. Begleitet wurde das Abkommen von Bretton Woods mit der Gründung von Weltbank und IWF (Internationaler Währungs-Fond). Die auch während des zweiten Weltkriegs andauernden wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und den USA wurden praktisch nahtlos und vielfach mit denselben Akteuren fortgesetzt. Die Welt erlebte ein beispielloses Wirtschaftswachstum, bei dem der Marschall-Plan besonders der US-Wirtschaft half, da die Kredite zum Kauf von US-Produkten verwendet wurden.

Russland

Auch in der Sowjetunion fand ein wirtschaftlichen Aufschwung sondergleichen statt. Die Weltmächte USA und Sowjetunion eroberten den Weltraum, lieferten sich einen unerbittlichen Rüstungswettlauf und hatten einige nervenaufreibende Händel in der Welt angezettelt. Nach der Flut an gigantischen Giralgeldmengen, der Abschwächung der weltweiten Konjunktur und der damit verbundenen Aufgabe des Goldstandards scheiterte auch Bretton Woods zwischen 1970 und 1974.

Neoliberalismus, Finanzwirtschaft, Deregulierung, Globalisierung, …

Der jetzt praktizierte Neoliberalismus hat sein Ursprung in vier wesentlichen Ereignissen:

Neoliberalismus

Zunächst war die Geburtsstunde des heute praktizierten Neoliberalismus ein Treffen in Mont Pèlerin am Genfer See im Jahre 1947, also sehr kurz nach Inkrafttreten von Bretton Woods. Friedrich August Hayek und Milton Friedman predigten den freien Markt mit einer mehr als laschen Kontrolle durch die Staaten. Margaret Hilda Roberts (verh. Maggie Thatcher) war von Anbeginn mit Feuer und Flamme dabei. John Maynard Keynes, Vater des Abkommens von Bretton Woods konnte sich mit seiner Forderung von Produktion im jeweils eigenen Lande soweit wie sinnvoll und einem starkem Staat nicht durchsetzen. Die Bewegung nahm langsam Fahrt auf. Sie allein hätte das (wenn auch unter der Vorherrschaft der USA stehende) regulierende Abkommen von Bretton Woods mit seinen Devisenkontrollen so schnell nicht zu Fall gebracht.

City of London

Dann zerfiel zweitens praktisch gleichzeitig die Kolonialmacht Großbritannien, raubte somit der City of London ihre Tätigkeit als Finanzjongleur und die Devisenreserven der Bank of England schmolzen dahin. So entstand Anfang der 1950er die Idee der gelangweilten und erfolgsverwöhnten Jongleure und Verwalter des immensen Commonwealth, die seit 1066 vorhandene und im 17. Jahrhundert gefestigte Sonderstellung der City of London neu zu beleben. So schufen sie den Euromarkt in der ersten Hälfte der 1950er. Zunächst bedienten sich ironischerweise die Sowjetunion und China zur Verschleierung ihrer Auslandstätigkeiten dieser Möglichkeit. Als dieser Markt ohne jegliche Kontrolle über Herkunft und Verwendung der Geldmengen seine Tätigkeit aufnahm, sah und sieht die Bank of England wegen der mangelnden Devisenreserven des Landes diskret zur Seite. Es wurde zwar gegen die Gesetze Englands verstoßen, die ja nach wie vor Bretton Woods verpflichtet war, aber die Tätigkeiten waren und sind konform mit den Regeln der City of London.

Geld ohne Kontrolle

England kam so zu seinem bis heute florierenden 2. britische Empire mit seinem Privileg, Gelder, ohne irgendeine Kontrolle durch die Bücher der in der City of London ansässigen Banken und Finanzinstitute zu leiten, Geldanlagen in der Welt zu verteilen und somit zu verschleiern. Der britische Staat ist dabei Nutznießer, weil bei jeder Transaktion Anwaltsgebühren und Bankspesen anfallen, die versteuert werden, besonders aber bei Transaktionen mit hohem Gebührenanteil. Bei den Brexit-Verhandlungen sitzt die City an prominenter und der Öffentlichkeit verborgenen Stellung mit am Tisch. Ein Gebiet von etwas über einer Quadratmeile hält das eigene Land und Europa in Atem.

Social Costs – Umweltkosten der Industrie

Zum dritten postulierte Anfang der 1960er der schottische Professor Ronald Coase, daß es gleichgültig wäre, von wem ohnehin anfallende Social Costs getragen werden. Diese Social Costs sind Soziale Kosten in der Volkswirtschaftslehre und nicht die uns eher vertrauten Sozialkosten. Als Beispiel nannte er auch die durch ein chemisches Unternehmen verursachte Verschmutzung eines Flusses. Da aus Umweltgründen die Reinigung der Abwässer ohnedies zu erfolgen hätte, wäre es demnach gleichgültig, ob der Verursacher oder der Steuerzahler diese Social Costs trägt. Das galt aber nur, wenn die Reinigung der Abwässer nicht gesetzlich geregelt ist. Zunächst traf dieses Argument auf taube Ohren. Allerdings setzte sich das Argument schließlich durch und man begann zunächst langsam und später immer schneller die Deregulierung bei der Politik zu betreiben, wenn bestehende Gesetze und Regeln den Interessen der Industrie zuwider laufen. Weil die Finanzindustrie an der staatlichen Rente keinen Gewinn erwirtschaften kann, hat die Politik auf Druck der Finanzwelt die Renten „teilprivatisiert“. Der Rentner spürt das ganz gut an der Niedrigzinspoliltik der EZB und FED.

Wirtschaft versus Menschenrechte

Im Zusammenhang mit dem Neoliberalismus ist heute von besonderem Interesse der Ausgang der bereits seit langer Zeit andauernde Diskussion der UN-Arbeitsgruppe „Wirtschaft und Menschenrechte: UNO-Arbeitsgruppe zur Schaffung eines internationalen Abkommens“. Es soll eine UN-Regelung erarbeitet werden, die die Pflichten und Rechte von international tätigen Organisationen regelt. Hierbei stehen die Menschenrechte des Einzelnen und die „Menschenrechte von Organisationen“ im Widerspruch. Wenn dann Gerichte, (geheime) Schiedsgerichte das Recht eines Unternehmens auf Profit höher bewerten als das Menschenrecht eines Arbeiters auf einen gesunden Arbeitsplatz, wird der Neoliberalismus weiter befördert. Grundlage hierfür könnte die in den USA vielfach seit Einführung des 14. Zusatzes zur US-Verfassung Ende des 19. Jahrhunderts kontrovers diskutierte aber auch mannigfaltig praktizierte Corporation Personhood sein.

American Way of Life

Die vierte Säule zur Einführung des Neoliberalismus ist eine Mischung aus „Panem et Circenses“ und der Sprache in Form von medialer Dauerberieselung. Propaganda war immer schon ein wirksames Mittel im häufig verbalen und daraus folgend oft kriegerischem Kampf im Bestreben nach Macht und Einfluß. Seit dem kalten Krieg ab 1950 versuchte man uns weiterhin die seit Jahrhunderten gepredigte Überlegenheit der westlichen weißen Rasse zu predigen. Weil der allgemeine Vorbehalt in weiten Teilen Europas gegen alles Angelsächsische seit Jahrhunderten tief im Geiste des Kontinents verwurzelt war, reichte in Europa nach dem erlebten Desaster indes keine einfache Sprache und so griff man nach subtileren Methoden der Beeinflussung. „Panem et Circenses“ ersetzte man mit dem „American Way of Life“. Die alten Werte sollten nichts mehr gelten und so führte man großflächig ein: Elitenzeitungen, Bedrohung der westlichen Werte, Werbeverträge für Sportler, Dauerberieselung gegen den Osten, Vernachlässigung des Studiums Generale, Aushöhlung des Bildungssystems europäischen Zuschnitts, Defragmentierung der Wissenschaft und viele weiter Maßnahmen.

Religion des ewigen Wachstums

Über Jahrzehnte hinweg erzeugte man mit Mitteln der Psychologie und unter ewigen Wiederholungen zwei Generationen von Menschen, die sich wohl fühlen in dem Nest des Neoliberalismus, die auf den Rest der Welt herabblicken und ohne Aufklärung an das ewige Wachstum und die Richtigkeit der politischen Maßnahmen glauben. Sie protestieren daher nicht einmal mehr innerlich gegen Hartz IV, Kriege, Millionen von Toten in den armen Ländern oder fest verankertem Kolonialismus zu unserem Wohle. Die Bürger glauben an das jährliche Handy und die Symbiose aus Politik + Medien sagt mit Blick auf Washington D.C.: „Unser täglich Briefing gib uns heute.“

Diese vier parallel und sich ergänzenden Entwicklungen waren Grundlage für die bis heute in der westlichen Welt und darüber hinaus in vielen entstandenen Wohlstandsinseln auf dem Globus andauernde Ausdehnung eines innig verschmolzenen Konglomerats aus Finanz, Industrie, Wissenschaft, Medien und Politik, die man am besten mit dem Begriff Neoliberalismus umreißt. Monopole entstanden, Kapitalverflechtungen durch und mittels vieler Steueroasen entwickelten sich zu einem Myzel, man deregulierte Gesetze und den Menschen wurde ein Gemisch aus Schlaraffenland und drohendem Absturz vermittelt, sozusagen der neuzeitliche Ablaßhandel für die Vollkaskoversicherung ins Jenseits. Nach dem Motto der Kruges, der solange zum Brunnen geht, bis er bricht wird auch der Neoliberalismus ein Ende finden. Jedenfalls machen sich bereits Academia und auch Wirtschaftler in den USA darüber Gedanken.

Die Dauerkrise ab 1975

Ölpreisschocks, Vietnamkrieg und eine Sättigung der westlichen Märkte führten aber nicht zu einer Besinnung. Viel mehr stand der Ruf nach Wachstum, Wachstum und Wachstum. Es begann das Zeitalter eines nie geahnten und erlebten globalisierten Finanzkapitalismus, der zu Beginn langsamer, dann aber immer schneller die Realwirtschaft aufsog, sozusagen Wirtschaft- und Finanzsteuerung aus einer Hand ohne gegenseitige Kontrolle und Befruchtung, ganz im Sinne des Neoliberalismus. Die Idee ist, den „Markt“ alles regeln zu lassen und somit begann die bis heute nicht beendete Dauerkrise. Politik und Medien reden sie uns aus verständlichen Gründen schön. Die Realität sieht aber für eine täglich wachsende Schar von Menschen aber ganz anders aus.

Finanzkapitalismus als Krisenursache  Nr. 1

Der Finanzmarkt nahm ab ca. 1975 volle Fahrt auf. Nach dem Börsenkrach im Jahre 1987 (Schwarzer Montag) mit 25% Verlust sowie dem Totlaufen des Sozialismus waren beide Supermächte und Europa praktisch pleite. In der Folge brach die Sowjetunion (durch Bestechung?) auseinander, während die USA die heute noch andauernde Globalisierung einläuteten. Diese brachte uns eine Welt mit verzerrten Wachstumsinseln und damit einhergehend das Platzen der Internetblase 2002 sowie der Finanzkrise von 2007/2008. Nach herrschender Meinung ist das Verhalten des Finanzkapitalismus der Hauptgrund für diese Krise.

Ausweitung der Globalisierung

Präsident Reagan und Maggie Thatcher starteten die Globalisierung. Er deregulierte den bis dahin in einem engen Korsett stattfindenden Flugverkehr. Sie privatisierte, was man privatisieren konnte. Es sanken die Preise und so mußten auch die Kosten sinken. Eine wichtige Maßnahme war die Auslagerung der 3-Jahreswartung von Flugzeugen nach China. Hierdurch gingen viele hochbezahlte Arbeitsplätze in den USA verloren und die USA gerieten in eine bis heute andauernde Abhängigkeit von China. Es folgte auch die Aufgabe des Trennbankensystems. So überflutete billiges Geld aus New York die gesamte USA und eine Dominopleite der Saving Banks (Sparkassen) war die Folge. Das Trennbankensystem wurde vor dem 1. Weltkrieg in den USA aufgrund von Pleiten und der Schädigung kleiner Sparer eingeführt. Es trennte das Investment Banking von den Saving Banks. Weitere Maßnahmen waren die Verlagerung von ganzen Industriezweigen einschließlich Renommierfirmen in Billiglohnländer, vornehmlich nach China, aber wie Hoover auch nach Mexiko. Firmen wie GM verpaßten den technischen Fortschritt und Kodak verschlief die Digitalisierung. Neben der spektakulären Pleite von ENRON gaben auch weitere Firmen auf, und für viele Menschen ging die Altersversorgung verloren.

Verlagerung von Arbeitplätzen

Dem Beispiel der USA folgten andere bedeutende Länder, wie etwa Italien, Frankreich und Großbritannien. Auch Deutschland verlagerte Arbeitsplätze, konnte aber durch die hohe Nachfrage nach Spezialgütern und einem nach wie vor starken Mittelstand mit seinen Hidden Champions einen gesamtwirtschaftlichen Ausgleich schaffen. So entstand innerhalb eines kurzen Zeitraums der Rost Belt im Norden der USA, in Deutschland führte man Hartz IV ein, in Frankreich formieren sich die Gelbwesten, England wandte sich dem Brexit zu und in Italien stehen die Dinge auch nicht zum besten.

Rating Agenturen

Die Rating-Agenturen waren mitverantwortlich für die Pleiten, die nach der Lateinamerikakrise in den 1990ern und dem Platzen der Internetblase im Jahre 2002 schließlich bis zur vorerst letzten Finanzkrise von 2008 führte. In ihrem Risikokatalog war die Rückzahlung von Krediten schlicht nicht enthalten. Die Rating Agenturen sind ja auch eine Erfindung des Neoliberalismus und werden privat finanziert. So nimmt es nicht Wunder, daß sowohl Griechenland mit AAA (Triple A) bewertet wurde wie auch der marode Immobilienmarkt im Norden der USA. Das Problem der überhöhten Immobilienpreise im Norden der USA und die sinkende Nachfrage waren allerdings schon Ende der 1990er Jahre bekannt und wurden bereits damals diskutiert.

Wenig Sieger, viele Verlierer

Die Finanzwirtschaft hat einige wenige Sieger in den reichen und armen Gegenden der Welt. Sie war wohl nie so dominant und wuchert seit Aufgabe des Goldstandards, ohne daß ein Ende abzusehen wäre. Von Anfang der 2000er Jahre bis heute stieg die weltweite Realwirtschaft um 40% an, während die Finanzwirtschaft um 100% wuchs. Die Geschichte hat ja gezeigt, wie verheerend eine übergroße Differenz zwischen den zwei Bereichen sein kann, vor allem wenn eine staatliche Kontrolle praktisch nicht mehr stattfindet. Obendrein wissen möglicherweise die großen Konzerne selbst nicht mehr, ob sie nun eher Bank oder eher Produktionsfirmen sind. Es kommt noch eine Konzentration von Einfluß in den Händen weniger hinzu. So kontrollieren etwa sieben Finanzgruppen an die 50% der Wallstreet und selbst verantwortungsvolle Menschen an der Wallstreet und die Wissenschaft machen sich bereits Gedanken darüber.

Sterben der Mittelschicht

Direkte Folgen in den reichen Ländern sind bisher das Ausdünnen der Mittelschicht, ein geschwächtes Bildungssystem mit unabsehbaren Folgen, zunehmende Armut und Zerstörung von sozialen Strukturen. Kleine Unternehmen verschwinden zusehends und sind im wesentlichen nur noch im Ausbauhandwerk zu finden. Der Widerstand gegen diese Form der Entwicklung formiert sich auf breiter Front in Zivilgesellschaften und Protesten. Allerdings haben sich Politik und Medien in eine Art Symbiose mit dem Neoliberalismus begeben und fallen daher als wirkungsvolle und aufklärende und in Systemen agierende Kontrollinstrumente aus.

Abhängigkeiten

Auch in den armen Ländern sind ähnliche Ereignisse zu beobachten. Hinzu kommen Flucht, Verstädterung ohne Perspektiven sowie gewaltige Abhängigkeit von Lebensmittelkonzernen und einseitig formulierten Handelsverträgen. All dies wird gesteuert und kontrolliert von lokalen Machtstrukturen, die mit den Mächtigen in den reichen Ländern zum Nachteil der eigenen Bevölkerung und Umwelt seit Beginn der Kolonialisierung eng zusammenarbeiten. Ein besonderer Zweig dieses Spiels ist die Ausbeutung der Bodenschätze, die in vielen armen Ländern neben Flucht und Vertreibung zu Kriegen mit Millionen von Toten führen. Im Moment ist eine Ende der bestehenden Dauerkrise mit immer bedrohlicheren Szenarien von Umweltproblemen über Fluchtursachen bis hin zu Mißbrauch von Religion nicht in Sicht. Erbhöfe in Politik, Medien und Wirtschaft verhindern die erforderliche Evolution. Irgendwie wird aber auch diese lange Krise ein Ende finden.

Anmerkung der Redaktion des Soulfit Factory e.V.

Wr danken Herrn Kleine sehr, für diesen groaßrtigen Artikel. Aber wo geht die Rise hin? Nach dem Untergang des orange Mems mündn wir in die extrem kritiche Phase des grünen Mems und wie sich das jetzt schon abzehnet führt uns dieses wohlmeinende, aber begrenzt denkende Mem in eine große Krise. Erst hier werden wir erkennen, dass wir neue Lösungen brauchen, die auf die Vielzahle der Mems einzahlt. Wie das aussehen kann, wir von vielen verschiedenen Gruppierungen erarbeitet werden. Es in Krisenzeiten wichtig, ruhig zu bleiben, sich zu überlegen, welche Lernaufgaben sich ergeben und den Blick auf die Perspektiven zu öffnen.

 

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