Ahnenforschung – Hintergrund und Methodik

Ein kurze Einführung von Simone Rauch

Vom Wert der Ahnenforschung

Wie unser Leben verläuft, hängt wesentlich mehr mit den gesammelten Erfahrungen unserer Vorfahren zusammen als einem großen Teil der Bevölkerung bewusst ist. Man könnte sogar sagen:

Wenn Eltern, Lehrer, Führungskräfte, Unternehmer, Politiker etc., also Menschen in verantwortungsvollen Positionen, mehr darüber wüssten, würden wir in vielen Bereichen unseres alltäglichen Lebens ganz anders an die Bewältigung der Herausforderungen herangehen.

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Je gravierender die Ereignisse, also die Probleme sind, um so mehr lohnt es sich, sich mit tieferen Hintergründen im eigenen Herkunftssystem zu beschäftigen. Wer schon in den Genuss kam, einen der Vorträge im Rahmen des Soulfit Factory e. V. zu hören, konnte eine Ahnung gewinnen, welche Möglichkeiten sich für die Gestaltung des eigenen Lebens ergeben.

Ahnenforschung für die eigene Lebensgestaltung

Allein der Blick auf das Orientierungsmodell „Wiegandscher Lotus“ lässt erahnen, dass die Beschaffenheit unserer Wurzeln unser Leben wesentlich beeinflussen. Was in den Wurzeln stark „veranlagt“ oder „beschädigt“ ist, kann den eigenen Lebensverlauf begünstigen bzw. massiv erschweren.

Die Kenntnis über die eigenen Wurzeln kann für die Lösung aktueller Herausforderungen sogar der wesentliche Schlüssel sein.

Eine Forschung zu den historisch weit zurückreichenden Erlebnissen der Vorfahren durften bereits viele Pioniere für sich selbst und ihre Kinder lohnenswert erleben. Denn unaufgelöste „uralte“ Konflikte werden wie „eine heiße Kartoffel“ meist an die nächsten Generationen weitergereicht. Allerdings eben nur bis ein „Held“ auftaucht, der den Mut hat, diese Themen so aufzulösen, dass sie nicht mehr weitergegeben werden. Dies ist ein faszinierender Mechanismus, der nicht nur Familien, sondern auch beispielsweise Firmen und anderen Organisationen in der zwischenmenschlichen Kommunikation entlastet. Statt aufreibenden Konflikten bleibt Energie frei für Kreativität und Zukunftsorientierung.

Einstieg in die Informationssammlung

Starten kann man ganz einfach mit dem Sammeln der eigenen Kenntnisse und Kenntnisse von noch lebenden Verwandten zu den Vorfahren allgemein:

  • Herkunftsland / Regionen
  • Politische Ausrichtung
  • Religiöse Ausrichtung
  • Soziale Zugehörigkeit
  • Berufliche Zugehörigkeit
  • Kriege
  • Kapitalverbrechen
  • Besondere Vorkommnisse

Vorgehensweise für eine umfassende Ahnenforschung

Zur umfassenden Forschung empfiehlt die Generaldirektion der Staatlichen Archive in Bayern zum Beispiel folgende Vorgehensweise:

  1. Gründliches Studium des einschlägigen familienkundlichen und heimatgeschichtlichen Schrifttums, eventuell Beratung durch familienkundliche Vereine und erfahrene Archiv- und Heimatpfleger.
  2. Einsicht in die Unterlagen der Standesämter. Dieser Schritt führt bis 1876 zurück. Die Einsicht ist jedoch nur unmittelbaren Nachkommen möglich.
  3. Auswertung der Kirchenbücher der Pfarrämter. Im Allgemeinen führen diese Nachforschungen bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück.
  4. Erst jetzt, wenn die Personenstandsregister und Kirchenbücher vollausgeschöpft sind und ein gesichertes Gerüst der Familiengenealogie vorliegt, ist es sinnvoll, in den staatlichen, kommunalen, kirchlichen und sonstigen Archiven (z.B. Adelsarchiven) die Familienforschung fortzusetzen.

Die Quelle dieser „Anleitung zur Familienforschung in Bayern“ findet sich in diesem Link: https://www.gda.bayern.de/service/familienforschung/

Dort ist dann auch der Link zu einer ausführlichen Anleitung als PDF-Datei zu finden: https://www.gda.bayern.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/familienforschung.pdf

Manchmal kann man selbst die Arbeit an den Dokumenten vornehmen, manchmal suchen Archiv-Mitarbeiter gegen Gebühr nach den Hinweisen. Zudem können auch regional arbeitende Familienforscher quer durch Deutschland gefunden werden.

Vereine für Familienforschung als Ansprechpartner

Weitere Hinweise findet man auch bei Vereinen der Familienforscher wie zum Beispiel:

Bayerischer Landesverein für Familienkunde e.V.

Familienforschung in Altbayern (Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz) und Schwaben
https://www.blf-online.de/

Dieser Verein hat dann wieder weitere Informationen zu regionalen Nachbar-Vereinen:
https://www.blf-online.de/genealogische-links

Interessante Archive zur Zeit 19. Jhdt. bis 1. und 2. Weltkrieg

Wer bereits bei den Informationen zu verschollenen Vorfahren zu Zeiten des 2. Weltkrieges hängen bleibt, dem empfiehlt sich unbedingt noch den Dienst des Deutschen Roten Kreuzes zu nutzen, da dort voraussichtlich nur noch bis Ende 2021 gestellte Anfragen bearbeitet werden.

Deutsches Rotes Kreuz
Suchdienst München
Chiemgaustr. 109
81549 München
Internet: www.drk-suchdienst.org
E-Mail: info@drk-suchdienst.org

Das Bundesarchiv

Auch im Bundesarchiv wie in den meisten Archiven gibt es natürlich nicht ein einfaches Personenregister, weshalb die Forschung schon etwas Aufwand bedeuten kann. Zudem wissen wir, dass die Anfragen wohl so hoch sind, dass es an manchen Stellen Monate benötigen kann. Daher gilt es also, Geduld mitzubringen.

Hier der Link:

https://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Benutzen/Hinweise-zur-Benutzung/Personen-und-Ahnenforschung/personen-und-ahnenforschung.html

Gesamtübersicht der Verwahrungsstellen ab 1919:

https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Benutzen/uebersicht-persbez-unterlagen-2wk.pdf?__blob=publicationFile

Gesamtübersicht der Verwahrungsstellen Ende 19. Jahrhundert bis 1918:

https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Benutzen/uebersicht-persbez-unterlagen-1wk.pdf?__blob=publicationFile

Die beiden Stellen, die für eine erste einfache Personenbezogene Anfrage in diesem Bundesarchiv anhand der Antragsformulare (siehe Link oben zum Bundesarchiv) kontaktiert werden können sind:

Bundesarchiv
Abteilung Militärarchiv
Wiesentalstraße 10
79115 Freiburg
Tel.: + 49 (0) 7 61 47 8 17 0
Fax: + 49 (0) 7 61 47 8 17 900
Mail: militaerarchiv@bundesarchiv.de
Internet: www.bundesarchiv.de

Bundesarchiv
Abteilung PA
Eichborndamm 179
13403 Berlin
Tel.: 030 41 90 44 40
Email: poststelle-pa@bundesarchiv.de

Weitere Archive in Deutschland

Auf der Seite des Bundesarchivs gelangt man mitunter zur riesigen Gesamtarchiv-Übersicht für Deutschland:

https://www.archivportal-d.de/

Hier kann man sich einen generellen Eindruck verschaffen, was es alles für Archive mit altem Schriftmaterial gibt.

Deutlich schwieriger mit Personenbezogenen Daten wird es in der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg, also vor 1618. Es kommt eher selten vor, dass jemand etwas zu dieser Zeit für seine konkrete Vorfahren-Linie findet. Allerdings sollte man dies nicht von Vorneherein als Hindernis sehen und sich auf jeden Fall auf die Suche machen. Es wurde schon so manches Rittergeschlecht als Vorfahre herausgefunden.

Abschließende Inspiration

In jungen Jahren ist man oft noch nicht interessiert, an der Geschichte der eigenen Verwandten. Häufig schon haben wir den Satz gehört: Hätte ich doch meinen Opa noch gefragt, als er lebte. Manche Gelegenheiten im Leben kommen nie mehr wieder.

Gleichzeitig gibt es vieles um uns herum, das mit Drama und Affenzirkus unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht ohne zielführend für unsere Lebenswerke zu sein. Zudem werden Denk- und Tabuthemen zur Familieninternen Zensur. Oder auch die „heiße Kartoffel“ früherer Generationen ist zu belastend oder kann nicht in Worte gefasst werden.

Wer hier Unterstützung braucht, um Worte zu finden, wo scheinbar „nichts zu sagen“ ist, kann sich gerne an uns wenden. Manchmal steckt gerade hinter dem Schweigen eine zentrale Information. Feingefühl und Intuition können an diesen Stellen ein Schlüssel zu verborgenen Türen sein.

Wir leisten gerne einen Startimpuls, wenn Sie Ihre „heißen Kartoffeln“ in wahre Schätze verwandeln wollen.

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