Geld, Entstehung und Entwicklung

Geld, Entstehung und Entwicklung

von Götz Kleine

Geld regiert die Welt! Geld treibt, Geld bremst, Geld ängstigt, Geld hebt die Stimmung, Geld macht Kriege, Geld bringt Fortschritt, Geld begleitet die Kunst und Geld ist vor allem auch mystisch; egal ob man es hat oder nicht. Geld gibt es schon sehr lange und in allen Kulturen und Gemeinwesen, die eine gewisse Arbeitsteilung und Größe erreicht haben. Die Maori- Muscheln der polynesischen Südseeinsulaner waren sehr frühes Geld. Sie wurden im wahrsten Sinne des Wortes aus den Tiefen der Südsee getaucht, also geschöpft und sie waren wegen der schweren Beschaffung wertvoll. Mit der Technik hat sich auch das Schöpfen von Geld geändert, die Idee und die damit verbundenen Themen sind aber gleich geblieben.

Muscheln

Bevor in Polynesien die Maori-Muscheln als Währung aufkam, gab es auch dort die Verteilung von oder den Tauschhandel mit Gütern und Leistungen. Beim Tauschhandel war die Schätzung des Wertes der gehandelten Waren und Leistungen vorrangig. Hat nicht der Tiefseetaucher zum Fischer gesagt: „Gib mit Fisch und ich gebe Dir eine Maori-Muschel für Deine Liebste.“ Menschen sammeln sich in einem Gemeinwesen und irgendwann gibt es eine treibende Kraft, die die Geschicke bestimmt, Häuptling wird, alle Muscheln einsammelt, seiner eigenen Liebsten zum Geschenk überreicht und anordnet, alle neu getauchten Muscheln seien Eigentum der Krone und sollten abgeliefert werden. Womit sollten dann die anderen Mitglieder des Gemeinwesens ihren Handel betreiben? So kennzeichnete der Häuptling einige der Muscheln anders, gab sie an die Mitglieder als Zahlungsmittel aus und ganz plötzlich wird Geld geboren, wie heute bei der Bundesbank/EZB oder zunehmend bei den Finanzinstituten inklusive Schattenbanken.

Unbequemer Tauschhandel

Die Einführung von Geld löst in einer arbeitsteiligen Gesellschaft den zu unbequem gewordenen Tauschhandel ab. Neben den Maori-Muscheln fanden andere wertgeschätzte Gegenstände etwa in Form von seltenen Tierzähnen und Edelsteinen als Zwischentauschmittel (Geld) Verwendung. Die Sumerer haben bereits Preise und Gewichte in ihren Keilschriften genannt aber noch keine Münzen. Die ersten Münzen führten die Lyder in Kleinasien um 650 bis 600 v. C. in Form von Klumpen aus geschmolzenem Gold und Silber ein. Bald wurden dann Zeichnungen und Abbildungen verwendet; aus Gründen der Eitelkeit der Potentaten oder aus Angst vor Fälschungen? Münzen haben einen festen Wert und sind geschützt durch die Autorität der ausgebenden Stelle. Zu Beginn der Münzen bestimmte sich ihr Wert im wesentlichen durch den Aufwand für Schürfen und Schmelzen des Erzes sowie des Schlagen der Münzen.

Gold

Wegen seiner Seltenheit und Beständigkeit ist Gold sehr begehrt und war neben Schmuck bald in Form von Golddeckung das bestimmende Element in der Münz- und Geldgeschichte bis zu den 1970ern. Gold wird gehaßt, es wird „rational“ eingesetzt, es wird vergöttert, aber stets ist die Liebe zu ihm größer als die Abneigung. In Pompeij hat man im Ascheregen konservierte Menschen gefunden, die ihre Liebsten im Arm hielten und ebenso Menschen, die zusammengerafftes Gold umschlungen. Gold ist für den Tauschhandel nicht unbedingt sinnvoll. Wie soll man denn beim Metzger mit einem Golddukaten zahlen, wenn diefreundliche Verkäuferin fragt: „Darf es etwas mehr sein?“ So hat man das Münzgeld aus weniger wertvollen Metallen für den täglichen Gebrauch eingeführt und die Menge der geprägten Münzen mehr oder weniger an das vorhandene Gold gebunden. Jeder konnte jederzeit zum Schatzmeister gehen und sagen, daß er seine Münzen gegen Gold eintauschen möchte.

Zins und Zinseszins

Mit dem Geld kamen Zins + Zinseszins und das ungleiche Geschwisterpaar Inflation/Deflation in die Köpfe der Menschheit. In den Kornspeichern der Pharaonen wurde Saatgut in den sieben fetten Jahren für die sieben mageren Jahre eingelagert. Die Fellachen bekamen aber nicht so viel Saatgut zurück, wie sie geliefert hatten. Transport, Luxus der Pharaonen und Schwund in den Lagerhäusern durch Mäuse und Feuchtigkeit kann man als Zins und Verwaltungsaufwand betrachten. Die in dem für damalige Verhältnisse unermeßlich großen Reich nutzten dezentrale Lagerstätten für Getreide und waren daher gezwungen in irgend einer Form Maß zu nehmen in Form von Gewicht und Bewertungseinheiten. Forscher scheinen sich auf diesem Gebiet noch uneins zu sein. Ist das vielleicht die früheste Form des Giralgeldes, also die sekundäre Geldschöpfung oder gar die tertiäre Geldschöpfung in Form von virtuellem Geld wie etwa Bitcoin und wer setzte den Wert fest? Ist es der Pharao selbst oder bei fortschreitender Arbeitsteilung der Hohepriester? Haben um 2.000 v. C. die an Bedeutung gewachsenen Adeligen analog zur heutigen Finanzwirtschaft die Kontrolle übernommen?

Konsortialbanken

Die Phönizier begründeten dann den Welthandel / die Globalisierung. Dazu benötigte man Schiffe, deren Bau finanziert werden mußte und so kamen die Konsortialbanken mit ihren Anteilseignern hinzu. Sie steuerten Baumaterial, Ruderer, Proviant und Handelsgüter bei. Ihre Entlohnung für die überlassenen Investitionsmittel waren Handelsprofite, bestehend aus fernen Luxusgütern, Sklaven, vielleicht auch schon Bernstein von der Nordsee; im heutigen finanzüblichen Jargon würde man diese Abenteuer als Wetten auf Vermehrung des Share Holder Values bezeichnen. David Ricardo, der im 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Rechtfertigung für das Ausbeuten von Kolonien lieferte, hätte seine wahre Freude an diesem Modell gehabt. Unter anderem bemühte er mit seiner Idee der komparativen Kosten in einem Vergleich die Produktion von Portwein in England und Fertigung von Soffen in Portugal. Mit den von ihm angesetzten Prämissen war es in beiden Fällen sowohl für Portugal als auch England sinnvoller, die Fertigung in England durchzuführen. Das mag von der Theorie her stimmen, aber er ließ dabei die Liebe der Engländer zu Portwein außer acht. Die wenigen sonnigen Flächen in Englands Süden würden bei weitem die Nachfrage nicht befriedigen: „Phoenicia rules the waves“.

Die Politik um das Geld

Geld ist also seit Anbeginn der Menschheit im Spiel und somit auch Politik ums Geld. Die frühen Fragen beim Tauschhandel waren sicherlich: „Was bekomme ich für den erlegten Hirsch?“ Aber es war nicht Geldpolitik sondern Politik im allgemeinen, die dann die Regeln entstehen ließ für die Handhabung des Geldes, wie Prägerechte (Geldschöpfung), Metallgehalt, Golddeckung, Transport, Sicherheit, Wohlfahrt und vieles mehr. Die Verwaltung kümmerte sich um die Ausführung und die Gerichtsbarkeit war stets mit im Boot. Daß die Kontrollmechanismen nicht immer reibungslos funktionieren ist bekannt. Währungen wurden obsolet und wurden abgewertet oder durch andere ersetzt. Die Kauri-Muschel etwa wurde ein Opfer der Inflation, nachdem der Transport auf Sklavenrücken ins Landesinnere teurer wurde als der Wert, den derjenige, der das Monopol des Geldschöpfens in seinem Gebiet inne hatte, mit den Muscheln erzielen konnte. Gleichwohl ist die Kauri-Muschel bei einigen Stämmen auch heute noch ein bevorzugtes Zwischentauschmittel. Münzen waren für lange Zeit das bestimmende Element im Zahlungsverkehr. Die Öffentlichkeit benutzt Geld, vertraut in es, spart es, verjubelt es, Kauft sich Werte, beschäftigt Abhängige, besticht Amtsträger, gibt es Bedürftigen usw. Der Wert jeder einzelnen Münze ändert sich dabei ständig. Die Menschen mit niedrigem Einkommen sind im allgemeinen als erste von einer Wertänderung betroffen, und zwar fast immer durch Inflation. Es steigen die Preise und die Einkommen wachsen nicht im gleichen Umfang. Somit kann man sich weniger für das vorhandene Geld kaufen. Oft führen mehrere Faktoren zu einer Inflation. Das sind beispielsweise Preiserhöhungen, zu wenige Waren, technische Fortschritte, Staatsausgaben ohne entsprechende Steuern, Mißernten und viele weitere Faktoren. Bei der eher seltenen Deflation werden die Preise theoretisch reduziert, das Angebot wird verknappt, weil Händler auf sinkende Preise spekulieren und Investitionen bleiben aus.

Inflation

Der Wert jeder einzelnen Münze verringert sich bei einer Inflation. Nachdem weder Verbraucher, noch Wirtschaft, noch Staat eine Interesse an unruhigen Verhältnissen habe, greift man vielfach zu einer Reduzierung des Wertes der Münze durch Änderung des Verhältnisses ihres Wertes zum Gold oder man ändert den Wert der Münze durch unedlere Metalle, behält so gleichfalls die Golddeckung und gibt Parolen aus, die den Glauben an die Münze stärken. Man kann auch die Wirtschaft bewußt ankurbeln durch zusätzliche Ausgaben und führt vielleicht auch Kriege in der Hoffnung auf Beute.

Themen rund ums Geld

Einige Themen in Zusammenhang mit Geld sind so alt wie das Geld an sich. Es geht um Haushalten, Verwaltung, Transfers, Abzweigung, Transport, Sicherheit, Diebstahl, unerlaubte Nachprägung, Fälschung, Provinzialwährung und andere. Münzanstalten, Zahlmeister, Schatzmeister und Kämmerer bemühen sich weitestgehend um einen reibungslosen Ablauf. Nicht alles läuft immer glatt. Wieder entdeckte gesunkene Schiffe mit Geld und Gold an Bord sorgen für einen gewissen Schauer und Aufregung. Der sensationelle Geldraub in England 1963 sorgt immer noch für amüsierte Diskussionen ebenso wie auch die ewigen Themen von Unterschlagung über Gier bis Geiz.

Schwere Kriegskassen

Das Problem hatten bereits die Römer. Um nicht die schwere Kriegskasse über den Brenner zu schleppen oder nach Ägypten zu verschiffen, entwickelte man ein ausgeklügeltes System. Dieses verfeinerte und verästelte sich im Laufe der Zeit immer weiter sowohl national als auch international. Vor der Zeit der Elektronik hat das Papier über lange Zeit diese Rolle übernommen und den Transport von Geld und anderen Werten ohne beschwerliche Transporte zu tätigen. Neben Dokumentenechtheit und Vertrauen benötigte man auch eine Buchführung, die den vielfältigen Anforderungen gerecht würde. Luigi Pacioli entwickelte hierzu im Jahre 1494 die doppelte Buchführung. Diese sollte vor allem die einseitige Kladden in Form der Kameralistik in den Banken und Behörden ablösen. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist die öffentliche Hand auch nach über 500 Jahren weitestgehend noch nicht auf diesem Stand.

Banca Nota

In einem immer gut gesicherten und bewachten Geld- und Golddepot gab es zu Beginn eigene Plätze für jeden Kunden. Sollte eine Bewegung aufgrund einer Zahlung stattfinden, so löste man ab irgendwann das Problem nicht mehr durch den Transport von Gold/Silber aus dem Depot eines Kunden in das Depot eines andern Kunden, sondern mittels schriftlicher Nachrichten, die man „banca nota“ oder „banco nota“ nannte. Banca = Bank, banco = Tresen. Ein kleiner Geldwechsler wickelte seine Geschäfte auf einer Parkbank ab, während ein großer Geldhändler seine Geschäfte die Bankgeschäfte respektheischend aufdem Tresen tätigte. Neben Geldhäusern entwickelten sich große Handelshäuser, wie die Fugger oder Welser. Ihre Aufgabe war neben Handel und Dienstleistung auch die Finanzierung der Herrscherhäuser und deren Unternehmungen von Hochzeiten über den Bau von Schlössern bis zum Führen von Kriegen. Diese Häuser verloren in Europa wegen des aus Lateinamerika stammenden Goldes schließlich wieder ihre Bedeutung.

Von der Münze zum Papier

Der Handel wuchs und somit auch der Bedarf an hartem Geld in Form von Münzen. Zur Bewältigung des Problems blieb letztlich nur das Papier über und man unternahm mehr und mehr Versuche, den Geldtransfer von größeren Mengen mit diesem Mittel zu bewältigen und den beschwerlichen Transport von Münzen abzulösen. Mißlungene Versuche machten unter anderen Chinesen, Engländer, Franzosen, Österreicher in den Jahrhunderten vor der der französischen Revolution im Jahre 1789. Im Zuge der Revolution wurde Papiergeld in großem Umfang ausgegeben. Auch dieses Experiment der Assignaten scheiterte (s. Abschnitt Wirtschaftskrisen). Aber die Notwendigkeit der Verwendung von Banknoten wuchs ständig. Aus dem Grund, eine für alle sichere und vertrauensvolle Bewirtschaftung von Geldmengen zu gewährleisten, gründeten beginnend mit der Bank of England im Jahre 1694 die Staaten nach und nach Nationalbanken (s. Abschnitt Nationalbanken). Die Wirtschaft wuchs, die Geschäfte wurden internationaler, neue Techniken vom Telegrafen bis zum heutigen Internet entwickelten sich und der Bedarf an Bankdiensten und Geld wuchs gleichfalls. So entwickelte sich das Bank- und Geldsystem wie wir es heute kennen. Gleichzeitig entwickelte sich auch die Geldpolitik.

Geld und Geld-Politik heute

Geld wird heute ebenso wie früher geschöpft. Es haben sich die Techniken und auch die Geldschöpfer gewandelt. Zu Beginn war es die Maori-Muschel, ein seltener Zahn oder ein Gegenstand, der von den Beteiligten hoch geschätzt und nicht leicht gefälscht werden konnte. Es gesellt sich um 650 v. C. die Münze hinzu. Diese primäre Geldschöpfung wird bis heute angewendet in Form von Münzen und Banknoten. Im allgemeinen hat der Staat als ausgebende Stelle das Monopol, dieses Geld zu schöpfen.

Zahlung über Internet

Wegen der stetig wachsenden Menge an Münzen, der zunehmenden Regionalisierung und später Internationalisierung machte man sich Gedanken darüber, wie die gleichfalls stetig steigende Zahl von Transaktionen ohne nennenswerten Materialtransport bewältigt werden könnte. Deshalb entwickelte man im Laufe der Zeit ein lokales, später nationales und heute internationales System zum Saldieren. Banken und Nationalbanken führen Zahlungen per Papier und heute fast ausschließlich über das Internet aus. Am Ende eines vereinbarten Abrechnungszeitraums (täglich, wöchentlich, …) summiert man die erhaltenen und getätigten Zahlungen, ermittelt den Saldo und gleicht mit den Partnern ab. Der Saldo wird auch je nach Vereinbarung weitergeführt, kann aber auch unter Einschaltung der Autoritäten bis hin zu den Nationalbanken ausgeglichen werden.

Das Giralgeld

Damit sind wir an der Schwelle zur sekundären Geldschöpfung, dem Giralgeld. Die erstellten Anweisungen oder Saldenbestätigungen wurden durch die Verwendung von Insidern für eigene, im allgemeinen kurzfristige Geschäfte immer mehr selbst zum Zahlungsmittel. Der Name Giralgeld stammt vom Umlauf des Geldes. Für diese zusätzliche und zunächst nicht vorgesehene Verwendung gibt es allerdings keine volle Deckung in Form von Gold und Münzen. Diese Transaktionen gehen gut, solange sie gut gehen. Wenn dann zum Beispiel durch den Untergang eines Schiffes mit wertvoller Ladung Sand in das Getriebe kommt, können nicht mehr alle Verpflichtungen erfüllt werden und es setzt ein Run auf die staatlichen und privaten Geldinstitutionen ein. Der Unmut ist groß, der Staat wird als Ordnungsmacht angerufen und man findet irgendwann wieder zu einer neuen Geldordnung.

Technische Neuerungen

An diesem Beispiel sieht man aber auch, daß der Gesetzgeber oft den technischen Neuerungen hinterherläuft und die entsprechenden Verordnungen nicht zu dem benötigten Zeitpunkt in die Wege leitet. Aufgrund von großen mit wirtschaftlichem Niedergang und Armut ist man dazu über gegangen, Regeln für die sekundäre Geldschöpfung aufzustellen und gründete die bis heute arbeitenden Nationalbanken. Man führte im Zuge der Entwicklung dieser Banken die Geldpolitik ein. Dieser Begriff ist insoweit irreführend, weil man keine Politik im eigentlichen Sinne in Form einer Umverteilung machte, sondern definierte: „Geldpolitik ist das Bündel an Maßnahmen, das einer Bundesbank (Nationalbank/Zentralbank/EZB) an die Hand gegeben wird, damit sie die wirtschaftspolitischen Ziele der Staaten verwirklichen.“

Geldpolitische Ziele der Nationalbanken werden in Gesetzen der jeweiligen Staaten festgelegt, in Deutschland im Stabilitätsgesetz von 1967. Im allgemeinen sind die Ziele der einzelnen Nationalbanken deckungsgleich. Es geht um Vollbeschäftigung, Währungsstabilität im Lande und Stabilisierung des Außenwerts der Währung. In vielen Fällen wird als Ziel noch ein moderates Wachstum angestrebt. Man spricht dann vom magischen Dreieck oder Viereck. Im Rahmen der geldpolitischen Maßnahmen können die Nationalbanken (inkl. EZB) frei schalten und walten. Hierzu gehören die im Register kurz erläuterten Maßnahmen: Geld: Münzen, Buchgeld, Giralgeld, Geld schöpfen, Mindestreserven und Offenmarktpolitik (OMP).

Die Begierden der Herrscher und Politiker

Da die Begierden der Herrscher und Politiker bekannt sind und bei einer nicht vorhandenen Bremse auch genutzt werden, machte man die Nationalbanken unabhängig und entzog sie somit dem Zugriff der Politiker. Diese können dann nicht zur Bedienung von Wahlversprechen beliebig Geld schöpfen. Das System hat sich abgesehen von Krisen durch Spekulationen oder Kriegen gut bewährt und bescherte uns beispielsweise ein immenses weltweites Wirtschaftswachstum in den Jahren 1945 bis zum Ende der Golddeckung 1974, 1975. Dieses Wachstum kam allen zu Gute. Ermöglicht wurde dieses Wachstum auch durch das enge Korsett des Währungsabkommens von Bretton Woods im Jahre 1945. Es erlaubte Devisenbewegungen für Handel und Investitionen nur im Rahmen eines stringenten Ausgleichs der Salden durch Goldbewegung und Ab- bzw. Aufwertungen einzelner Währungen.

Veränderungen 1914

Bis 1914 wurden Devisenbewegungen im allgemeinen durch geschlossene Klubs, vielfach unter den Fittichen der Bank of England durchgeführt. Da wurden Unebenheiten auch des öfteren nach einem Gentlemen’s Agreement geebnet. Zwischen den zwei Weltkriegen wuchs der Bedarf an Transaktionen und der Vergabe von Krediten. Der Klub der Beteiligten staatlichen und nicht staatlichen Akteure wuchs rasant und führte schließlich völlig unkontrolliert zur Weltwirtschaftskrise von 1929 mit all den schrecklichen Ereignissen. Bei der Schöpfung von Giralgeld durch Banken geht sicherlich auch nicht alles mit richtigen Dingen zu.

Das Giralgeld war bis Mitte der 1950 den Nationalbanken, Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen vorbehalten. Der Bürger erhielt Gehalt und Lohn am Ende des Abrechnungszeitraums in Form von Münzen und Banknoten ausgezahlt. In großen Firmen benötigte man zum Herankarren bei wöchentlicher Entlohnung jede Woche etliche große LKWs. Der Großteil des am Freitag bzw. am Monatsende ausgezahlten Geldes verschwand innerhalb kürzester Zeit wieder auf den Konten von Vermietern, Stadtwerken, Versicherungen und anderen Institutionen. So lag es nahe, auch für Gehalts- und Lohnempfänger Girokonten zu bilden. Das war ein gewaltiger Schub und man machte sich bereits damals Sorgen, wie man die Mengen an zusätzlichem Giralgeld geldpolitisch behandeln zu können.

Der Eurodollar

Neben diesen Entwicklungen gab es noch die Einführung des Eurodollars und die Ausweitung der heutigen Finanzwirtschaft mit all den zusätzlichen Finanzinstrumenten. Diese tertiäre Geldschöpfung mit Schattenbanken, verbrieften Sicherheiten, Derivaten und virtuellen Währungen hat ihre eigenen Regeln. Sie nimmt seit Beginn der Globalisierung immens zu und entzieht sich dem Zugriff der Staaten zusehends. Über Gefahren der vielfach nicht regulierten, teilweise in Steueroasen agierenden Gesellschaften wird eher kritisch berichtet. Siehe hierzu den Abschnitt über Neoliberalismus. Die Regelung der Banken wird zwar in nationale Gesetze umgewandelt, die den Empfehlungen von Basel I, II, III und IV entsprechen.

Anteil des Bargeldes sinkt

Der Anteil des Bargeldes sinkt ständig und verliert dadurch an geldpolitischer Bedeutung. Er beträgt nach Schätzungen 2,5% des Giralgeldes und wenn man den tertiären Markt hinzu zählt, nur noch 1,0%. Das Giralgeld und die Menge von Münzen + Banknoten kann man durch Gesetze und Regeln noch einigermaßen steuern, den Finanzmarkt könnte man allenfalls durch eine internationale Vereinbarung steuern. Somit ist spätestens seit der Geburtsstunde der heutigen Finanzwirtschaft in den 1950ern zusammen mit Beginn der heutigen Globalisierung Mitte der 1980er der geldpolitischen Handlungsspielraum der Staaten immer mehr beschnitten und auch wirkungslos.

Starke Kritik beschäftigt sich mit der Rolle von EZB und FED. Dabei lautet die Frage, inwieweit diese gewaltigen Institutionen mehr dem Neoliberalismus oder den geldpolitischen Zielvorgaben der Staaten folgen. Gerade das Thema der Sicherung der Altersvorsorge in Verbindung mit den sinkenden Renten ist ein hochpolitisches Thema. Dieses Thema wird nur von EZB und FED beeinflußt.

Ob und wie man sich zu angepaßten geldpolitischen Maßnahmen international einigen wird, kann nur die Zukunft zeigen. Es existieren nicht nur unter Laien, sondern auch unter den ernst zu nehmenden Spezialisten aus Wirtschaft und Staat diverse Überlegungen, das Thema neu zu besetzen. Es gibt beispielsweise MMT (Modern Money Theory) oder Vollgeld.

Nationalbanken

Das Verhältnis zwischen Geld und Realwirtschaft ist seit sehr langer Zeit für das Zusammenleben der Menschen. Die Römer hatten das Problem, den Einklang herzustellen. Staaten und Wirtschaftskreise unternahmen ebenso zahlreiche Versuche zur Vermeidung von Wirtschaftskrisen durch Regelung wie sie auch etliche Krisen mutwillig herbeiführten. Der Zustand der Kriegs- und Staatskassen war dabei vielfach der Öffentlichkeit vorenthalten. Die Krisen, die Aufklärung und die Notwendigkeit der Handhabung von stetig wachsenden Geldern in welcher Form auch immer führte im Laufe der Zeit zur Bildung von Nationalbanken.

Die Satzungen und die ihnen übertragenen Kompetenzen ändern sich. Eigentlich sollten Nationalbanken vollkommen unabhängig von der Politik nur die ihnen übertragenen Aufgaben erfüllen und dadurch das Streben der Politiker nach dem ungezügelten Druck von Geld zu unterbinden. Die Unabhängigkeit wird immer wieder kritisiert und auch stark in Zweifel gezogen. 1922 etwa befahl der deutsche Staat die Hyperinflation. Hierdurch wurden die Schulden aus den Kriegsanleihen ganz elegant „getilgt“. Inwieweit die EZB heute die Unabhängigkeit gegenüber dem Neoliberalismus bewahrt ist eine brennende Frage. Nationalbanken machen im allgemeinen Gewinn der an den Fiskus abgeliefert werden.

Einige wichtige Nationalbanken

Die Banque de France geht auf Napoleon zurück und wurde als private Institut im Jahre 1800 infolge der Wirtschaftskrise nach der Französischen Revolution gegründet. 1936 wurde sie verstaatlicht.

Die Bank of England geht auf das Jahr 1694 zurück und wird in Form einer Aktiengesellschaft geführt. Sie wurde von einigen hundert Gläubigern nach dem Überfall auf den Smyrna-Konvoi 1693 und der folgenden Massenpleite Londoner Handelshäuser gegründet und 1946 verstaatlicht. Ihr Hauptziel diente der Finanzierung der Aktivitäten Englands als Kolonialmacht.

Die österreichische Nationalbank wurde 1816 nach einigen Vorläufern infolge der Wirren unter Napoleon gegründet und existiert als Aktiengesellschaft. Sie unterliegt seit 1945 dem Nationalbankgesetz. Anders als die Deutsche Bundesbank, tätigt sie auch normale Geschäfte und hat u.a. eine ansehnliche Sammlung von Streichinstrumenten.

Die Deutsche Bundesbank ist Nachfolgerin der Deutschen Reichsbank von 1871 und wurde 1957 aufgrund des Bundebankgesetztes von 1957 als Anstalt des öffentlichen Rechts neu gegründet. Die Deutsche Reichsbank wurde als Geldinstitut für das gesamte Reich gegründet. Sie ging nicht aus einer Krise hervor. Die Statuten sind im Bundesbankgesetz geregelt. Ihr obliegt die Einhaltung der im Stabilitätsgesetz von 1967 festgelegten geldpolitischen Ziele.

Die FED

Die FED (Federal Reserve System) in den USA wurde 1913 als Nachfolgerin von zwei Instituten aus den Jahren 1790 und 1816 gegründet. Sie war aus der Great Panic von 1907 hervorgegangen. Das System besteht aus zwölf District Federal Reserve Banks, die in privater Hand sind. Diese 12 District FEDs wurden gemäß den Verhältnissen 1913 eingerichtet und sind der Zusammensetzung nach seit damals unverändert. New York und San Francisco sind heute die mächtigsten FEDs. Die FED ist unabhängig und verfolgt ähnliche Ziele wie die EZB. Allerdings wird eine moderate Inflationsrate von 2% von Anbeginn angestrebt. Über die FED gibt es eine Unzahl von Theorien, die auch von der camouflierenden Art der FED unterstützt werden. Im Gegensatz zur EZB gibt es zwischen den District FEDs eine Art von Ausgleich für Zahlungen untereinander (ISA = Inderdistrict Settlement Account, s. dort). „Eigentümer“ der FED sind die Geschäftsbanken der USA. Sie sind Zwangsmitglied der jeweiligen District FED mit 6% ihres Eigenkapitals und erhalten dafür 6% feste Rendite. Ein Mitspracherecht steht ihnen aber nicht zu.

Die EZB

Die EZB (Europäische Zentralbank) wurde 1998 von der Deutschen Bundesbank und allen Nationalbanken/Zentralbanken in der EU gegründet. Seit 2007 ist sie offiziell ein Organ der EU. Für sie wurden im wesentlichen die Statuten der Deutschen Bundesbank übernommen. Neuerdings obliegt ihr auch die Überwachung von Systembanken. Die Kapitalverteilung entspricht in der Bevölkerungszahl der Mitgliedsländer und deren Brutto-Inlands-Produkten (BIP). Eine Saldierung der Zahlungsüberhänge zwischen den Mitgliedsländern ist in dem System TARGET2 (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System, s. dort) im Moment nicht vorgesehen.

Sicherung der Währung

Allen Nationalbanken ist das Hauptziel die Sicherung der Währung gemein, allerdings mit unterschiedlichen Zielen und in verschiedenen Organisationsformen. Die Nationalbanken bedienen sich zur Durchsetzung ihrer Ziele der Hauptinstrumente Geldschöpfung (Drucken des Geldes und im allgemeinen die Ausgabe von Münzen), das Festlegen von Mindestreserven für die Vergabe von Krediten durch die Geschäftsbanken, die Bestimmung des Leitzinses und der Stabilität des Außenwertes der Währung.

Geldpolitische Ziele der Notenbanken werden in verschiedenen Gesetzen festgelegt. Im allgemeinen sind die Ziele der einzelnen Nationalbanken deckungsgleich. Es geht um Vollbeschäftigung, Währungsstabilität im Lande und Stabilisierung des Außenwerts. In vielen Fällen wird als Ziel noch ein moderates Wachstum angestrebt. Man spricht dann vom magischen Dreieck oder Viereck.

Kontrolle der Nationalbanken

Großen Raum nimmt bei den Diskussionen der Fachleute die Kontrolle der Nationalbanken ein. Es gibt wohl kaum ein Gesetz, daß es der Politik erlaubt, direkt die Kontrolle zu übernehmen oder bei Bedarf ungehindert Geld zu drucken. Deshalb wird auch sehr schnell von Machtmißbrauch der Nationalbanken geredet und es entwickeln sich Verschwörungstheorien. Inwiefern sich eine oder eine andere Theorie verwerfen bzw. beweisen läßt, ist auch bei Fachleuten umstritten.

Register

Das Register ist weder vollständig noch erschöpfend. Es gibt lediglich eine kurze Erklärung von mehr oder weniger bekannten Begriffen in Wirtschafts- und Geldpolitik und dient vielleicht dem Verständnis der als trocken bezeichneten Materie. Bei Unklarheiten empfiehlt sich die Ansicht mehrerer Definitionen. Es ist manches Mal nicht ganz einfach, diese in den Lexika oder Berichten sofort zu verstehen.

Aktienrückkäufe

Bei Aktienrückkäufen werden eigene Aktien des Unternehmens vom Markt zurückgekauft. Dadurch erhöht sich der Wert der Aktie aufgrund der geringeren Anzahl von Aktien im Markt. Oft wird der Aktienrückkauf auch mit einer höheren Rendite für Aktien gekoppelt. Es gibt Kritik, weil die Firmen dann erstens weniger investieren und / oder den Mitarbeitern einen Teil des gemeinsam erarbeiteten Gewinns vorenthalten. In Deutschland wurde der Rückkauf von eigenen Aktien 1931 verboten, um die Bevorzugung von ausgewählten Investoren zu verhindern. Aktienrückkäufe sind in Deutschland seit 1998 unter Auflagen wieder erlaubt.

Anlageinflation (Asset Inflation)

Unter Anlageinflation versteht man die in der Geschichte schon mehrfach vorgekommen hohen Geldmengen, die keine Entsprechung in der Realwirtschaft haben. Zur Zeit erleben wir auch eine Anlageinflation. Man sieht es an den hohen Preisen für Immobilien, Aktien und weiteren Anlagen. Finanzwirtschaft und Realwirtschaft haben sich weit voneinander entfernt. Die Finanzwirtschaft hat das Übergewicht. Die Preise können dabei auch ins Unermeßliche steigen, vor allem wenn Schwarzgeld im Spiel ist.

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Die BIZ wurde 1930 zur Abwicklung der Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg gegründet. Young- und Dawes-Plan haben diese Reparationen abgelöst und der erforderliche Transfer zwischen den beteiligten Ländern sollten gehandhabt werden. Die BIZ hat sich zum exklusivsten und verschwiegensten Klub der Notenbank-Gouverneure entwickelt mit einem äußerst dunklen Kapitel in der Zeit des 2. Weltkriegs. Sie ist auch noch heute ein wichtiges Instrument im internationalen Finanzsystem. Unter ihrem Dach wurden etwa auch die Regelungen Basel I, II, III und IV entwickelt. Die BIZ ist in Basel ansässig und untersteht keinerlei Kontrolle oder Gerichtsbarkeit.

Basel Abkommen I, II, III, IV

Aufgrund von Bankkrisen und unterschiedlichen Bilanzregeln sowie Kreditvergaben in den verschiedenen Weltregionen haben die USA diese Abkommen 1988 initiiert. Die Prinzipien werden unter dem Dach der BIZ in Basel, aber nicht in ihrem Auftrag ausgearbeitet. Die Regeln haben keinerlei Gesetzeskraft, werden aber im allgemeinen ohne parlamentarische Diskussion in nationalen Gesetzen festgelegt. In immer strenger werdenden Regeln werden Eigenkapital und Kreditvergabe geregelt. Im Prinzip sind die Regeln nicht zu beanstanden. Es bestehen aber ernste Bedenken hinsichtlich der teilweise unsozialen Auswirkungen von Basel IV.

Deficit Spending

Um die Konjunktur wieder in Schwung zu bringen hat John Maynard Keynes infolge der Krisen nach dem 1. Weltkrieg dieses Modell der Bewältigung von Rezessionen vorgeschlagen. Danach soll der Staat in solchen Situationen mehr Geld ausgeben als er einnimmt. Schon die Pharaonen setzten dieses Instrument ein. In den sieben fetten Jahren lagerten sie für die sieben mageren Jahre Saatgut ein. Der Abt des Klosters Kremsmünster, praktizierte dieses System im 17. Jahrhundert. In guten Zeiten kaufte er überschüssiges Getreide von den Bauern auf und hat es nach Mißernten den Bauern wieder als Saatgut zur Verfügung gestellt. Die Bauern bauten dafür an seiner Sternwarte weiter.

Derivate

Ein Derivat (Ableitung) ist ein Vertrag, der den zukünftigen Wert einer Ware vom Referenzpreis abhängig macht. Wenn etwa in einem Produkt sehr viel Erdöl enthalten ist, dann schließt man einen Vertrag, daß für den Teil an Erdöl in dem Produkt der Referenzpreis des Erdöls am Tag der Lieferung gilt. Derivate werden von einigen Wissenschaftlern als geldpolitisch neutral gesehen. Andere sehen das kritischer, vor allem, weil sie nicht in der Geldmengenberechnung der Nationalbanken (EZB) vorhanden sind und der Umfang an Derivaten und anderen Finanztiteln unübersehbar ist.

Equity

Es handelt sich um Privatkapital, daß nicht den Börsenregeln unterliegt und stammt vielfach von institutionellen Anlegern. Es dient zur Investition in bestehende Unternehmen und wird zur Erstellung von neuen Unternehmen verwendet. Die Anleger möchten das eigene Kapital möglichst niedrig halten und die höchstmögliche Rendite dafür erzielen. In Verruf gekommen ist Equity-Kapital durch überzogen hohe Renditevorstellungen, die vielfach mit Zerschlagung von Unternehmen und Massenentlassungen verbunden waren, s. Pretty Woman. Andere Anleger in dem Unternehmen werden nachrangig behandelt.

Europa der zwei oder mehreren Geschwindigkeiten

Nach dieser Idee soll es den Mitgliedsländern freistehen, wie stark sie sich an der Integration beteiligen. Das bedeutet praktisch, daß Länder, die nicht den Euro als Währung haben, auf sich allein gestellt sind. Es steht aber auch jedem frei, den Euro-Raum zu verlassen. Die Konsequenz ist ein tiefer Graben vor allem zu den vormals kommunistischen Ländern aber auch südeuropäischen Regionen. Die Abspaltungsbestrebungen der Katalanen sind ein gutes Beispiel hierfür. Eine andere Möglichkeit wäre das System der USA zu prüfen und vielleicht in Teilen zu übernehmen. So könnten Ungleichgewischte eventuell ausgeglichen werden. S. auch TARGET2 und bei Nationalbanken Federal Reserve System (FED).

Europäische Einlagensicherung

Nachdem sehr viele Staaten eine von den Banken finanzierte Einlagensicherung haben, wird über eine europäische Einlagensicherung gesprochen. Einige Banken könnten sich bewußt verspekulieren und die Einlagensicherung würde aus den Töpfen der anderen EU-Staaten gezahlt. In Deutschland sieht man diesen Plan besonders kritisch.

Geldarten

Die verschiedenen Geldarten werden im gesetzlichen Auftrag und den darin festgelegten geldpolitischen Zielen von den Nationalbanken geschöpft. Sie entstehen praktisch aus dem Nichts. Bei der Währungsreform 1948 hat jeder Bürger 40 DM erhalten. Damit und den genehmigten Krediten die von den Besatzern nach ähnlichen Kriterien wie jetzt erlaubt waren sowie dem Marshall Plan wurde das Wirtschaftswunder begründet.

Münzen

sind sehr alte Formen des Geldes. Sie werden von einzelnen Staaten herausgegeben. In Deutschland gibt es fünf Münzstätten die prägen (schöpfen). Da der Erlös direkt dem Bundeshaushalt zugute kommt, steht dieses Verfahren geldpolitisch neben den anderen Geldarten.

Banknoten

sind Bargeld, das von Nationalbanken ebenfalls nach den festgelegten Kriterien geschöpft und ausgegeben wird.

Buchgeld

wird von Zentralbank geschöpft nach Maßgabe der gesetzlichen Vorgaben und steht den Geschäftsbanken zur Verfügung. Diese können das Buchgeld in Banknoten entnehmen oder als Giralgeld verwenden. Giralgeld können auch die Geschäftsbanken nach Vorgaben von Mindestreservesatz und Basissatz schöpfen. Das geschöpfte Giralgeld der Banken beträgt ein vielfaches der Mindestreserven und ist über das Jahr variabel.

Derivate, Optionen

und andere Finanzinstrumente sind nach heutiger Lesart kein Geld. Sie beeinflussen aber massiv nicht nur die Wirtschaften einzelner Staaten, sondern die gesamte Weltwirtschaft.

Helikoptergeld

Helikoptergeld wird diskutiert. Zum Ankurbeln der Wirtschaft in Krisen soll man jedem Bürger einen gewissen Geldbetrag steuerfrei zu Konsumzwecken übergeben werden. Auf jeden Fall soll Helikoptergeld nicht gespart werden.

Inflation/Deflation

Inflation und Deflation sind ein ungleiches Paar und geben seit jeher Anlaß zu Spekulationen und Auslegungen.

Inflation scheint das Schmiermittel für die heutige Wirtschaftsordnung zu sein. Der Handel hofft auf höhere Preise. Der Investor hofft ebenfalls auf höhere Erlöse und dadurch gleichzeitig auf Reduktion der Kreditlast. Der Staat ist vielfach Nutznießer, weil sich auch seine Schulden reduzieren. Für den Verbraucher ist dir Inflation nachteilig, wenn Gehalt und Zinsen nicht mit der Inflation Schritt halten.

Deflation bewirkt gegenteilige Effekte. Der Handel spekuliert auf sinkende Einkaufspreise. Beim Investor und Staat stellen sich die gleichen Effekte ein. Der Verbraucher fürchte wegen sinkender Nachfrage um seinen Arbeitslatz.

Institutionelle Anleger

Im Gegensatz zum Privatanleger (auch ein kleiner Sparer) verfügen institutionelle Anleger über gewaltige Mittel und sind meistens in einer Institution (Fond, Firma usw.) zusammengefaßt. Sie sind teilweise transparent, d.h. die dahinter stehenden Investoren sind bekannt. Bei vielen institutionellen Anlegern, gerade in Steueroasen ist diese Transparenz nicht gegeben. Die Vermutung, daß sie vielfach der Schwarzgeldwäsche dienen ist nicht unbegründet. Transparenz wird daher in einigen Teilen d

ISA

ISA (Interdistrict Settlement Account) ist das Ausgleichszahlungssystem in den USA innerhalb der einzelnen 12 District FEDs. Dabei werden die Zahlungssalden jeden Tag erstellt und ein 12-Monatsdurchschnitt gebildet. Diese werden dann im April des Folgejahres ausgeglichen. Bis zur Aufgabe des Goldstandards (Golddeckung) wurde in Gold ausgeglichen. Heute erfolgt der Ausgleich über Gutschriften aus der Offen-Markt-Politik der FED (OMP, den USA SOMA), die Geschäfte auch für die District FEDs tätigt. Das System wird ständig weiter entwickelt und es werden auch in Extremfällen Zwangskredite der anderen District FEDs angeordnet. Damit wird verhindert, daß es zu ernsthaften Währungsproblemen in den USA kommt und es hat wohl auch noch niemand erwogen, Einzelne District FEDs oder US-Staaten aus dem Dollar zu treiben. Dieser Ausgleichsmechanismus ist im Rahmen des Euro mit TARGET2 nicht vorgesehen.

Leitzins

Der Leitzins ist der Zins, den die Banken bei den Nationalbanken zahlen, wenn sie sich Gelder von ihnen leihen bzw. von ihnen erhalten, wenn sie Geld bei Ihnen anlegen. Mit dem geliehenen Geld können sie dann im Rahmen anderer Vorgaben (Bsp. Eigenkapital und Mindestreserven) Kredite vergeben. Die Kreditvergabe heißt dann Giralgeld schöpfen. In der EZB werden zur Zeit drei verschiedene Leitzinssätze angewendet. Leitzinsen werden täglich abgerechnet.

  1. Zinssatz, den Banken und Sparkassen für Mindestreserven begleichen. Dieser Leitzins ist der Hauptleitzins und liegt zur Zeit bei 0%. Banken und Sparkassen hinterlegen diese Mindestreserven und können dann im Rahmen der Bestimmungen Kredite vergeben.
  2. Zinssatz, den Banken und Sparkassen für die Überziehung der ihnen von der EZB eingeräumten Kreditlinie berechnet. Er beträgt zur Zeit 0,25%.
  3. Zinssatz, der den Banken und Sparkassen von der EZB gezahlt wird, wenn sie bei der EZB ihr Buchgeld anlegen. Er beträgt zur Zeit -0,4%. Tagesgeldsätze orientieren sich an diesem Zinssatz.

Magisches Dreieck, Viereck

S. oben bei Deutsche Bundesbank, EZB und FED.

Marktkapitalisierung

Darunter versteht man den Gesamtwert der ausgegebenen (sich im Umlauf befindenden) Aktien eines Unternehmens. Aktien im Eigenbesitz des Unternehmens fließen nicht in diesen Wert ein.

Mindestreserven

Mindestreserve ist das Geld, das eine Bank bei der Nationalbank hinterlegen muß, um Kredite zu vergeben, also Giralgeld schöpfen zu dürfen. Die Kredite, die eine Bank gewähren kann, beträgt ein Vielfaches der von ihr bei der Nationalbank zu hinterlegenden Mindestreserven. Die Mindestreserven sind Eigenkapital. S. auch Leitzins.

Offenmarktpolitik (OMP, SOMA in den USA)

Sowohl die EZB wie die einzelnen Nationalbanken (nicht nur in der EU) betreiben Offen- Markt-Politik. Damit sollen die geldpolitischen Ziele erreicht werden. Diese Geschäfte sind reichlich kompliziert. Die Gewinne der EZB werden an die Finanzminister der Mitgliedsstaaten verteilt.

Quantitave Easing (QE)

Quantitative Erleichterung wird von FED und EZB zusammen mit Niederzinspolitik praktiziert. Zweck ist ein Anreiz für die Banken mehr Kredite zu gewähren und damit die Wirtschaft wieder anspringen zu lassen. Hierzu werden Staats- und Unternehmensanleihen in Billionenhöhe vom Sekundärmarkt (meistens Geschäftsbanken) übernommen. Die EZB bestimmt dabei, welche Anleihen angekauft werden. Beim überwiegenden Teil, den Staatsanleihen, werden 20% von der EZB und 80% von der Nationalbank des jeweils ausgebenden Landes angekauft.

Schrumpfen de Realwirtschaft

Die Realwirtschaft ist zumindest im Euro-Raum durch diese Maßnahmen nicht in dem gewünschten Umfang gewachsen. Die bekannten Investitionsverzögerer wie Bürokratie und Einspruch der Bürger aber auch geringe Renditeerwartungen der Investoren verhindern eine schnelle Realisierung und es gab wohl auch lohnendere Projekte in Ländern außerhalb des Euro-Raums. Auf jeden Fall hat diese Geldschwemme eine gewaltige Anlageinflation (Asset Inflation) hervorgerufen. DAX, Dow Jones und Wohnungspreise steigen immens. Da die Inflationsrate über dem Zinssatz liegt freuen sich die Finanzminister, weil sie weniger zurückzahlen müssen und für Häuslebauer ist es auch vorteilhaft. Die Sparer aber haben das Nachsehen.

Poverty through Wealth

Ein relative neuer Zweig der Wissenschaft setzt sich mit dem Phänomen Armut durch Wohlstand (Poverty through Wealth) auseinander, auch bekannt als Paradox of Poverty from Plenty, Die These besagt, daß Reichtum, gleichgültig ob durch überreiche Bodenschätze, übermächtige Industrie oder ungebändigte Finanzwirtschaft zu einem Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich führen.

Rating-Agenturen

Rating-Agenturen sind eine Gründung der US-Wirtschaft zur Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Sie unterstehen keiner staatlichen Kontrolle und haben durch ihre Politik in der Finanzkrise 2008 zuerst die US-Immobilienkrise herbeigeführt und in ihrer Folge auch einige europäische Staaten stark ins Wanken gebracht. In beiden Fällen hat der europäische Steuerzahler viel Geld gezahlt. Die leichtfertige Vergabe der höchsten Bewertungsstufe (Triple AAA) wurde unter anderem dadurch ermöglicht, weil das Risiko von Zahlungsausfällen lange Zeit nicht zu den Bewertungskriterien der Agenturen gehörte.

Restlaufzeit von Anleihen

Sie gibt an, wie lange eine Anleihe noch läuft. Im Durchschnitt sind es zur Zeit ca. 7 Jahre bei der EZB und in Deutschland.

Sachverständigenrat (5 Weise)

1963 wurde der Sachverständigenrat mit dem Mandat gegründet aus unabhängiger Expertensicht die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik regelmäßig zu begutachten. Kritik wird laut an der einseitigen Ausrichtung zugunsten des Wachstums und der Industrie und damit zu Lasten der Verbraucher.

Schattenbanken

Sie sind Finanzgebilde werden aber auch als neutral angesehen. Dazu gehören Investmentfonds, Holdings, Hedgefonds, Geldfonds und andere., die außerhalb der staatlichen Kontrolle tätig sind. Es gibt viel Kritik an ihnen, sie

System Open Market Account (SOMA, OMP bei der EZB)

Im Namen aller 12 District FEDs tätigt die New York FED exklusiv alle Offen-Markt- Geschäfte wie Aktien, Anleihen, Devisen usw. Die Geschäftsergebnisse werden dann an die einzelnen District FEDs nach verschiedenen Schlüsseln verteilt. Diese werden nach einem komplizierten Verfahren jährlich im April neu festgelegt. Dabei spielen die Goldzertifikate (ein Relikt aus der Zeit des Goldstandards bis 1975), die wirtschaftliche Entwicklung, das Wachstum und andere Faktoren eine Rolle. Im allgemeinen findet in den District FEDs ein Aktivtausch von den ISA-Beständen zu den Wertpapieren statt. Alle Geschäftsbanken sind Aktionäre der FED. Sie erhalten eine jährliche Vorab-Dividende von 6%. Weitere Gewinne gehen in den Bundeshaushalt der USA.

TARGET2

TARGET2 (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) ist ein Mechanismus innerhalb der Eurozone, der es den Nationalbanken der Staaten erlaubt, zwischenstaatliche Zahlungen ohne Behinderung auszuführen und die Salden mit einem Zeiger wie in einem Druckmesser darzustellen. Jetzt stehen wir bei über einer Billion Minus bei den Schuldnerstaaten. Die Hauptgläubiger sind Deutschland mit 80%, Luxemburg und die Niederlande. Zur Vermeidung von Spekulationen analog der Abwertung des britischen Pfunds im Jahr 1992 im Rahmen der Krise im EWS (Europäisches Währungssystem) vermied man einen Ausgleichsmechanismus. In den USA existiert ein Ausgleichsmechanismus (s. ISA).

Bis zur Krise 2008/2009 waren die Salden zwischen den Euro-Ländern im wesentlichen ausgeglichen. Die Salden wuchsen an:

  1. EU-Subventionen wurden von den bisherigen Empfänger an die neuen EU-Mitglieder ausgegeben. Diese neuen EU-Mitglieder sind im wesentlichen nicht Mitglieder des Euro-Raums.
  2. Ankäufe der EZB und Nationalbanken von Staatsanleihen.
  3. Verringerte Wirtschaftsleistung und dadurch verringerte Export in die Gläubiger-Länder.

Tobin-Steuer

Das heiße Eisen des Abbaus der Salden wird nur sehr leise diskutiert. Die Tobin-Steuer ist dazu gedacht den Hochgeschwindigkeitshandel zu besteuern. Kritikpunkte sind das Ausweichen auf Länder, in denen der Börsenhandel nicht besteuert wird. Die Tobin-Steuer darf nicht zu hoch sein, weil sonst auch Rentensparer bei einer Laufzeit von bis zu 50 Jahren einen spürbaren Teil ihres Kapitals wieder einbüßen.

Vollgeld und andere Reformvorschläge

Vollgeld ist eine private Initiative, die Geld nur im Umfang des von der Zentralbank geschöpften Buchgelds ermöglicht. Die Idee dahinter ist die beständige Wertsicherung des Geldes. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Initiativen und noch keine klare Linie.

Umlaufgeschwindigkeit des Geldes

Der Geldumlauf in Form von Noten und Münzen wird heute auf 2,5% des Giralgeldes geschätzt und wenn man die seit Ausbreitung des Giralgelds entstandenen Finanzinstrumente wie Derivate auch als Arten des Giralgelds betrachtet, beträgt der Anteil des Bargelds nur noch 1%. Ein Indikator für die Bestimmung der Höhe von Geldmengen nennt man die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes in einer Volkswirtschaft im Laufe eines Jahres aufgrund von Produktion und Dienstleistungen. Derivate und ähnliche Finanzinstrumente sind in der Umlaufgeschwindigkeit nicht enthalten. Die Umlaufgeschwindigkeit liegt im allgemeinen über eins. Theoretiker und Praktiker sind stets auf der Suche nach der richtigen Umlaufgeschwindigkeit.

Anmerkung der Soulfit Factory Redaktion:

Wir danken Herrn Kleine ganz herzlich für die detaillierten Ausführungen über ein Thema, das uns alle etwas angeht, weil es unser Schicksal mit gestaltet. Am Geld und dem Umgang damit scheiden sich oft die Geister. Es heißt, dass Geld den Charakter verdirbt, doch bei genauerr Betrachtung würde ein Charakter, der sich durch Geld verderben lässt auch ohne Geld verderben. Letztlich sind es Charakterschwächen wie Gier, Geiz und Neid, die den Umgang mit Geld schwierig gestalten oder gar zu Gewalt und Rücksichtslosigkeit führen. Am Umgang mit Geld zegt sich der Charakter. Großzügigkeit ist die Fähigkeit eines großen Geistes. Manipulation und Raffgier Zeichen des Mangels an Entwicklung. Lesen Sie mehr zu diesen Themen in unserer Infothek oder lassen Sie sich hier zum Thema Werte inspirieren.

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